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Schwebende Soundgespinste

Was ich einst über ein 2012 erschienenes Album mit Ryuichi Sakamoto und Christopher Willits geschrieben habe:  

 

Schwebende Klangpoesie als Geschenk

 

Der Freistilmusiker Ryuichi Sakamoto hat eine neue musikalische Begegnung gesucht.  

Sanft schweben sie herein und breiten sich aus, sie scheinen aus dem Dunkeln zu kommen, um ins Licht zu gehen: Die Stücke des Albums „Ancient Future“ des Duos Christopher Willits und Ryuichi Sakamoto umfangen uns weich, hüllen uns ohne Gefälligkeiten freundlich ein. Sie haben Titel wie „Abandoned Silence“, „I don't want to understand“ oder „Levitation“. Gut getroffen, so denken wir. Tonzusammenballungen, die aus digitalen Klangspendern kommen, aber auch herkömmlich akustisch erzeugte Pianoklänge kräuseln sich dazwischen, um sich selbst kreisend, als Angebot zum Staunen. Die beiden sind zusammen auf einer Art Reise und spielen sich nicht in der Weise die Bälle zu, wie das zuletzt auf dem Album „Flumina“ Sakamoto und Christian Fennesz getan haben, jener Gitarrist und Elektroniker, der Christopher Willits in manchem ähnlich zu sein scheint. Sie verfolgen vielmehr einen anderen Ansatz, betonen mehr das musikalische Miteinander.

Sakamoto hat ja immer wieder die kreative Begegnung gesucht und hat unzählige Male versucht, avantgardistischen Klangexpeditionen aus ihrer Verschlossenheit herauszuführen. Es ist ja ein Grundimpuls seiner Arbeit als Musiker, Produzent, Arrangeur, Komponist, Fotograf und Schauspieler. Er bewegt sich gerne zwischen Welten, nicht als kurzweiliger Gag, sondern als weit gespanntes Motiv. Er hat mit und für Madonna, Brian Wilson, David Bowie, David Byrne und vielen anderen Popgrößen gearbeitet. Er ist als Keyboarder zusammen mit dem Rockmusiker David Sylvian bis an den Rand der populären Musik gegangen und er hat für Bernardo Bertolucci Filmmusik geschrieben, auch für Regisseure wie David Lynch und Oliver Stone. Der heute 60Jährige hat einmal Musik in Tokio studiert und sucht fortwährend eigene Verbindungen zwischen fernöstlicher und die europäischer Musiktradition. Tastend, suchend, immer wieder neu ansetzend seine Einfälle in verschiedene Formen der Kompaktheit packend, sie hineinzwingend in immer neue Formen. Wir können jetzt wieder dabei sein bei einem solchen Versuch. Durch Atmosphären schleichend, durch Stimmungen gleitend, Hörräume behutsam mit Fantasie ausfüllend, dem Freistil zwischen Ambient Music und Avantgarde  Schwingen verleihend. Aus der Stille heraus in die Stille hinein. Eine Vision. Ein Traum. Einfach kompliziert.

 

Christopher Willits/Ryuichi Sakamozo: Ancient Future. Ghostly International