Crossover

 „Crossover“ scheint eine Zauberformel vergangener Zeiten, die Überschreitung der vor allem von Profitinteressen vorgegebenen Genregrenzen war damit gemeint. So war in der letzten Vergangenheit die Vermischung von Metal und Funk beliebt. Geradezu spezielle Reize schien der Vermischung verschiedener Genrekennzeichen auf Künster der Popmusik auszuüben. Doch mittlerweile scheint sich das Blatt vollkommen gewandelt zu haben. Jegliche Art von Popmusik scheint streng formatiert und auf krass fraktionierte Ziwelgruppen zugeschnitten zu sein. Unter anderem, man weiß das wohl, scheint dies auch den Diktaten der „Playlists“ und der streamingorientierten Digitalwirtschaft geschuldet, die auf eine möglichst schnelle und effiziente Einordnung bedacht ist. Darin gleicht sie übrigens den Bestrebungen, denen die Menschen zunehmend ausgesetzt sind: auch sie sollen sich einordnen in globale und Marktorientierte Konsumprozesse. Dies erzeuge Wachstum, so die gängige Lüge. Und Wachstum befördere die Wirtschaft, sie brauche dies regelrecht, Wachsttum sei die Voraussetzung „für alles“. Meine eigene Musik, die eine Überschreitung von Genregrenzen quasi in sich trägt und die Einflüsse eines langen Zeitraums aufnehmen will, ist in puncto Hörerschaft radikal gescheitert. Es scheint sich nahezu niemand mehr für einen solchen Ansatz zu interessieren. Popmusik scheint zu einer allzeit und überall verfügbaren anonymen Masse geworden zu sein. Was zählt, ist der schnelle Kick und das durchschlagskräftige Lick. Dies spielt sich in einem digitalen Geschäft ab, das absolut und überall von Kaufleuten dominiert ist. Wo sind die Liebhaber und die Interessierten? Auch sie sind offenbar verschwunden, interessieren sich offenbar nur noch für ihre Wahrnehmungsblase. Für ihre, unter anderem auch sozial abhängige Auffassung von Gut und Schlecht.

Meditative Musik und Verkäuflichkeit

Natürlich schleppt der moderne Mensch eine Art „spirituelles“ oder „religiöses“ Anliegen mit sich herum, das er auch gerne mal auf die Musik projeziert. Musik soll ja das sein, was man nicht anders sagen kann…..sagen bedeutende Geister. Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, - behauptete auch Nietzsche. Die ausschließliche Jagd nach Geld scheint jedenfalls den modernen Menschen nicht ausfüllen zu können. Der Markt der spirituellen Bewusstseinswaren wird also diesem Bedürfnis nachgehend immer größer. Der neueste Trend scheint spirituelle Erleuchtung per Internet zu sein. Hier einen Kurs zu buchen (mit meditativer Musik als unterspülender „Leichtmacher“), sich eines Coachings zu unterziehen oder sich per Skype unterweisen zu lassen, kann offenbar viel Kohle bringen (da springt auch etwas für den unbekannten Meister (oder die Meisterin?) heraus, der die Musik liefert). Es scheint jedenfalls darum zu gehen, sich selbst als Medium darzustellen, das offen ist für allerlei spirituelle Erfahrung. „Inspiration“ liefern, Menschen einen Kick in Richtung anderer Bewusstseinsebenen zu geben, das kann neben der guten alten Guru-Funktion, die Menschen zur Orientierung zu brauchen scheinen, ein gutes Geschäft sein. In der Rockmusik machten das schon früh unter anderem John McLaughlin und Carlos Santana klar. Gerade Santana scheint inzwischen abgekippt zu sein in die breite und völlig unspirituelle US-Popmusik. Von Spirituellem ist bei ihm offenbar nur noch in seinen Verkaufssprüchen und seinem Auftreten die Rede.

 

Sensibel scheinen „Medien“ oft dadurch geworden zu sein, indem sie selbst trainiert oder „gecoacht“ wurden und sich allerlei Unterweisungen unterzogen. So machen Jünger ihre Jünger selbst, vervielfältigen ihre Ansichten, indem sie ein Bedürfnis ihrer Mitmenschen befriedigen. Es gilt für alle, „Wege in die Spiritualität“ zu weisen. Kam es Leuten wie mir immer so vor, als sei dies etwas höchst Individuelles sein, so scheint es den „Seelentröstern“ des Internet darum zu gehen, ihre Aussagen möglichst so breit multiplizieren zu können, sie so sehr zu einem gut verkäuflichen Artikel des Seelenlebens zu machen, dass das Ergebnis manchmal etwas unpersönlich und austauschbar erscheint. Manchmal winken dabei Karrieren, die Erstaunen auslösen, CDs aufnehmen und absetzen, Bücher schreiben und verkaufen, daraus Hörbücher erstellen, etwas im Hörer auslösen, vor allem etwas Kollektives bei Massenveranstaltungen wie etwa Konzerten, den großen Beeinflusser, Wegweiser und Vorausgeher mit dem ganzen Instrumentarium der Suggestion zu geben, das gehört eigentlich zum Rüstzeug eines jeden „spirituellen“ Bewusstseinsarbeiters, früher und heute. Für Skepsis oder Kritik bleibt da wenig Raum, es gilt vielmehr das widerspruchsfreie „ergriffen“ sein auslösen und verstärken und mitmachen in einem kollektiven Taumel, dem gerne ein quasi meditativen Anstrich gegeben wird, in dem der Eindruck vermittelt wird, man sei mit dem verbunden, was den Menschen so recht eigentlich ausmacht. „Positives Denken“ ist einer der Inhalte, die in diesem Zusammenhang immer wieder gepredigt werden. Spiritualität online verfügbar machen, das würde den zeitgeistigen Schritt in eine massenhafte Verwertbarkeit aufzeigen und sie in größer Breite zu teilen. Selbsthilfe im Netz vermag Millionenumsätze generieren. Besser noch, das Angebot ist garniert mit entspannender Musik. Der Welt etwas von einer anderen Wirklichkeit erzählen, mag nicht nur einen Drang zur massenhaften Verbreitung, sondern auch zu einer maximalen Verkäuflichkeit erzeugen. Ziel: Das sollen alle wissen! (und dafür zahlen). Dass dadurch allerlei Oberflächlichkeiten Tür und Tor geöffnet sind, mag geradezu folgerichtig erscheinen....Wow!

Musizieren

Was meine Musik ausgemacht hat, was alle Musik ausmacht, was sie jetzt ausmacht? Erstens: Musik wird nicht nur abstrakt geplant und arrangiert, sondern ist ein Ergebnis von sozialen Situationen. D.h., ob ich damals in Bands gespielt habe mit anderen Musikerinnen und Musikern zusammen, die ganz bestimmte Qualitäten hatten und andere nicht, das war entscheidend für das Ergebnis. Das gilt auch für gewisse andere Musiker. Auch wie viele Gelegenheiten zur Probe es gab, welche Proberäume zur Verfügung standen, wie lange und wie oft wir sie nutzen konnten, welche Vorkenntnisse und Fertigkeiten es gab, wovon man „beeinflusst“ war, ob es Konflikte zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gruppe (der Band) gab, welche Leute überhaupt mitmachten und wie sie sich beispielsweise identifizierten mit einem Ziel, wie sie sich "dran hängten" an gewisse Absichten, wie sehr sie von finanziellen Einkünften abhängig waren, wie lange sie durchhalten konnten, um ein gewisses Ziel zu erreichen … usw. Das alles hatte großen Einfluss auf unsere Übereinkunft, die sich in Musik ausdrückte und deren Umsetzung eingeübt werden wollte. Eine Zeit später bestimmten die sozialen Umstände einer Plattenfirma auf vielerlei Weise, was sich in einem musikalischen Projekt abspielen konnte, wie gut es voran kam usw..   Zweitens: Heutzutage, in der Vereinzelung neoliberaler Umstände, wenn jedermann seines eigenen Glückes Schmied ist, drückt sich das in der zur Verfügung stehenden Software und den Sounds aus, die in ein Ergebnis einfließen können. In dem, was eine bestimmte Software zulässt. Anders die reproduzierenden Musiker: sie sammelten Jobs und verdienten (spärliches) Geld und tun das heute noch. Sie wurden angerufen, der Recording-Vorgang, Aufnahmesessions waren zunächst nicht sehr wichtig für sie. Es mag sein, dass sich auf diese Weise auch gewisse „Stars“ heraus schälten und in einen Vorgang des selbständigen Verdienens einflossen. Dann wurde promoted, teuer aufgenommen, fotografiert und in alle Richtungen betreut, wie in der Popmusik. Es ging nun darum, "besser" als andere (Insbesondere der "Mitwettbewerber") zu sein. Beliebt schienen Vertretungsjobs gewesen zu sein, also das kurzfristige Einspringen für Kollegen, die verhindert waren. Aufgrund von exzellenten handwerklichen Fähigkeiten war dies jederzeit möglich. Im Bereich der Popmusik gibt es das wohl weniger, im Jazz hingegen sehr wohl. Heutzutage haben sich die Szenen radikal aufgesplittert, niemand weiß noch vom anderen, der andere Musik mit anderen Absichten macht. Dabei wäre gerade eine solche übergreifende Sicht auf so etwas wie Musik sehr wichtig.

Projektionen und Verkörperung

Projektionen sind das, was Leute in etwas oder Jemandem sehen wollen, was sie „hinein legen“. Es gilt nun für gewisse Leute, diese Stanzen, Schablonen und vorgeformten Erwartungen durch Sprüche, Haltungen und Anmutung handwerklich perfekt auszufüllen. Sie tun das gerade im Popgeschäft (aber auch in der Politik) viel, was nicht unbedingt mit ihrer Musik zu tun hat. Sie geben eine bestimmte Figur, nach der die Masse aus bestimmten Gründen verlangt. Prinzip: Es werden beispielsweise Sehnsüchte projeziert: der „Star“ lebt das, was jemand gerne sein würde. Er lebt in einem Märchen. Er lebt stellvertretend für jemanden etwas aus.

Er ist unermesslich reich, wo ich mir Gedanken um das Überleben in den nächsten Tag hinein machen muss. Meine Gefühle werden durch ihn fokussiert wie in einem Spiegel einer Figur. In der Rockmusik ist das unter anderem der unerschrockene Künstler, der Individualist, der bedingungslos sich selbst lebt. „Vitalismus“ nannte das 100 Jahre zuvor der Philosoph Friedrich Nietzsche. All das ist dem „normalen“ und mehrfach vergesellschafteten Konzertgänger nicht vergönnt. Der „Star“ (Mittlerweile bedeutet das gar nichts mehr: es soll schon ein „Superstar“ oder „Megastar“ sein!) zieht sämtliche Emotionen auf den eigenen Projektionsschirm, er vereint, bündelt und verkörpert sie, oft auch im Hinblick auf ein bestimmtes Handeln aus einer bestimmten Haltung heraus, - was eine gefährliche Nähe zu totalitären Machthabern abgibt, die ebenso zu so etwas neigen. Konzerte gestalten sich insofern wie Gottesdienste, bei denen es gilt, solchen industriegefertigten Figuren zu huldigen. Es werden scheinbar eherne Weisheiten verkündet, die Orientierung verleihen sollen und ein "Angebot" darstellen. Es gilt, Zeremonien der Verehrung und Bewunderung zu vollziehen.

Anleihen

Ich erinnere mich noch, wie einst die Leute bekämpft wurden, die einen wie auch immer gearteten Brückenschlag zwischen folkloristischer Musik außerhalb des anglophonen Sprachraums und der gängigen Popmusik versuchten (Oberflächlichkeit war damals so ein gängiger Vorwurf, - als sei ausgerechnet Popmusik ein Beispiel für kulturellen Tiefgang!!, - von Kolonialismus und Imperialismus war gerne mal die Rede, von Dünnbrettbohrereien, Oberflächlichkeiten und zu schneller Effizienz (ich hörte in Gesprächen oft, das alles sei „zu schnell“ produziert und zusammengeschustert…). Positiv schien das so gemeint zu sein: Man wolle „fremde“ Kulturen ernster nehmen, ihnen nicht ihre Identität klauen. 

 

Mittlerweile ist es wohl an der Zeit, den Vorwurf umzudrehen und denen entgegen zu halten, die mit ihrer anglophonen Scheise die ganze Welt überschwemmen, die „ihre“ Popmusik als Maß aller Dinge sehen wollen, weil sie ja die großen Medienkonzerne samt Vertriebskanälen halten und dafür die Macht inne haben (jawohl, es geht um die Macht über Vertriebskanäle...). Jegliche „andere“ Musik wurde von ihnen als „irrelevant“ bezeichnet, damit sie den Markt mit ihren speziell formatierten Produkten besser überschwemmen konnten. Oft genug erhoben sie auch noch den Anspruch, sich mit ihrem Geschmack und mit ihren „Produkten“ als das Wichtigste der Welt und „Referenzpunkt“ zu verkaufen… Bah! Welche Arroganz! Klar, inzwischen hat sich der ganze Freizeitmarkt stark verändert, die sozialen Medien spielen ihre globale Rolle, die Popmusik ist als Showbusiness ganz und scheinbar mühelos ins Geflecht wirtschaftlicher Interessen gewechselt, usw. In Wirklichkeit scheinen mir aber diejenigen die Imperialisten zu sein, die andere überschwemmen, überwältigen und ausbeuten wollen mit ihren „Produkten“. Vorläufig noch…..

Grenzüberschreitung und Popmusik

Putzig, wie immer wieder die Grenzüberschreitung zum Rock- und dann Pophandwerk gehörte. Alice Cooper, Ozzy Osbourne, Rammstein – es galt und gilt, sich abzugrenzen durch einen Tabubruch. Auch dies scheint mir bei den Rechtsrockbands heutiger Tage nicht anders zu sein: Jugendliche und überhaupt: Menschen wollen Identität gewinnen, indem sie sich durch Schock und Tabubruch von anderen abgrenzen. Sie wollen anders sein, um nicht dazu zu gehören zum großen Mainstream. Viele Jahre lang galt Antisemitismus aus gutem Grund verpönt in Deutschland. Nun ist es eine unglaubliche und peinliche Tatsache, dass solche Bestrebungen Auferstehung feiern in einem Land, das sich aus guten Gründen für diesen Teil seiner Geschichte schämen müsste. Doch in heutigen Zeiten, in denen die Elterngeneration durch eine Grünen-, und manchmal auch Hippie-Sozialisation gegangen ist, in der das freie Spiel der Kräfte dem scheinbar Stärksten alle Rechte einräumt, in der Sex in allen Spielarten kein Tabu mehr ist, in der die Medien Gewalt in allen Formen vorführen, gibt es nicht mehr viel gesellschaftlichen Gebiete, in denen ein Tabubruch möglich wäre. In tausend Versen wird recht biedermeierlich das Liebesglück beschworen, das eigentlich nur aus einer intakten Beziehung erstehen kann. Sehnsucht, ich höre dir in einer Welt der kaputten Beziehungen trapsen....Verlogenheit wird überall zelebriert, alles soll möglichst viel Spass machen und schön sein. Das Geld als ökonomische Größe hat die Religion abgelöst. Profit geht offenbar über alles. Kaufmann sein, heißt leider allzuoft, den Andern, oder wie das Christentum sagte, den Nächsten, möglichst effektiv übers Ohr zu hauen, ihm seine eigenen Emotionen und Bedürfnisse zu verkaufen, ihn in Betäubung einzulullen und effektiv auszunehmen. Ramstein hat daraus viel gemacht. "Mein Teil" und "Mutter", Blut und Feuer speiende Maschinen (!), düstere Anmutung und so..... Rüpel waren beliebt im Rock – aus den geschilderten Gründen - reiche Poseure der Grenzüberschreitung forderten zum Mitmachen auf. Dabei wurde immer wieder sklavisch dem Zeitgeist gefolgt, egal, ob es um Emanzipation oder Unterwerfung und Versklavung ging.

Handwerk, Mittel zum Zweck

Wir hatten damals klassische Musiker oder Musiker der Klassik bewundert, weil diese offenbar handwerklich so gut waren. Konnten alles vom Blatt weg spielen. Erst viel später merkte ich, dass die das unter Umständen zwar sehr akkurat können, - darüber hinaus aber nichts. Endgültig klar wurde mir das, als mich einst ein Musiker und Pianist, der Tschaikowsky und Rachmanninoff auf CD eingespielt hatte (das galt damals noch was!) und als ein absolutes Ass der Musik galt, mich bat, ihm das Improvisieren beizubringen. So etwas war meine Spezialität und so bat ich ihn, mir 3 Töne zu geben, ich wolle mit ihm auf diesen 3 Tönen erst improvisieren und anschließend einen ganzen Song zusammenstellen. Wir brachten das tatsächlich zustande und der Mann war mir allzeit dankbar, denn ich war sogar darauf eingerichtet, mit ihm eine Aufnahme seiner neu gewonnenen Fertigkeit zu machen. Mir aber wurde klar, was mit mir so einher gegangen war: die Musik als dauernder Begleiter, die einem Melodien und Stimmungen einflößte und mich überallhin begleitete….- ihn offenbar nicht. Er war ein typischer reproduzierender Künstler, konnte seine Phantasien nicht umsetzen, was hingegen mein Schwarzbrot war. So konnten wir uns optimal ergänzen. Jeder ließ die Eigenheit des Anderen gelten. Da wurde mir klar: uns und mir war es immer unter anderem um so etwas wie Selbstverwirklichung gegangen, um Ausdruck meiner selbst und von Phantasien. Die Erschaffung von etwas rein aus dem Moment und der Luft heraus war sogar meine Spezialität. Klassische Musiker ging es um möglichst optimale Reproduktion, um Handwerk... und trotz aller Beteuerungen weniger um das Verstehen und „Erfühlen“ einer Musik. 

Frühe Banderfahrungen

(Erfahrungen gegossen in einen unveröffentlichten Roman, der unter anderem typische Banderfahrungen aufzeigte) Nun ja, es entwickelte sich sogar ein Wir-Gefühl zwischen uns: Wir fühlten uns wie ein kreativer Stoßtrupp, wir suchten ganze Nachmittage lang nach der einen, der großartigen Melodie, nach dem Einfall, der uns hinweg tragen würde in all seiner.... . Aber wir fanden nur fremd klingende Breaks, verhuschte Passagen, rhythmische Katastrophen, tonale Andeutungen, die völlig unbrauchbar für die richtige Rockmusik der Tatmenschen waren. Wir streiften zusammen durch musikalische Landschaften, die zwar wildromantisch waren, aber einfach nicht auf eine Weise zu kultivieren waren, dass sie in einem Jugendhaus irgend jemanden von einem dieser alten, verstunkenen und verfurzten Sofas gerissen hätten. Das ging nicht ab. Das ging schon gar niemanden in die Beine. Das war einfach nur unverständlich und verschroben. Im Grunde die reine klangliche Kloake. Aber wir waren infiziert davon, wir waren - glücklich - damit. Wir hatten etwas aus dem Nichts geschaffen, über das wir eine Weile staunten und das dann wieder zurück fiel in das Nichts. Wir waren auf einer Mission, deren Sinn, deren Reichtum sich erst noch später enthüllen sollte, - vielleicht sehr viel später. Erst musste von uns aber noch die dafür nötige Erforschung gemacht werden...

Jugendmusikschule

Ob das damals eine Rolle gespielt hat, dieses Überführen von Privatem in das Öffentliche? Ich glaube nicht, dass dies der Fall war, als ich anfing, selbst Musik zu machen. Es lag damals in der Luft, - das reichte. Und: Ich wollte gehört werden. Von den richtigen Menschen. Dass ich mich damals schon immer mehr in meinen eigenen Kokon verfing, glich ich mit meinen handwerklichen Fähigkeiten aus, indem ich in tausend Bands spielte und manchmal auch sehr kurzfristig Jobs übernahm. Ich war damals in der Lage, ganze Auftrittsprogramme kurzfristig einzustudieren und danach zu „performen“. Ich gab Musikstunden, unterwies kleine Idioten ins Gitarrenspiel. Ich nahm damals schon viel auf, im eigenen kleinen Studio, dessen Einrichtung ich mir vom Mund abgespart hatte und das ich immer wieder mit Leihen zu kompettieren versuchte. Ich war wendig und agressiv, ging an und probierte. Doch im Rückblick hat dies nicht viel genützt. Ich konzentrierte mich anschließend auf meine Fähigkeit zur Reflektion, denn Musik (nicht nur Rockmusik!) war mir immer wichtig, sie beschäftigte mich, sie füllte mich aus. Gelegentlich nahm ich dabei auch meine Kenntnisse bzgl Adorno zu Hilfe. Auch andere Philosophen, wie etwa Nietzsche lieferten mir Material. Doch ich bin aktuell wohl nicht an die richtigen Adressen und "Verbindungen" gekommen (etwas, was mir sowieso ferne lag und was ich glaubte mir leisten zu können) und glaubte vernachlässigen zu können, dass Musik einen Überbau hat, der nur etwas für akademisch geweihte Würdenträger ist. Man gärte in sich hinein, machte sich brotlose Gedanken, war froh, wenn man ein paar Cent verdiente….. Doch damals hatte man noch genügend Selbstvertrauen, um sich zu sagen „Du wirst es auf diese oder jene Art schaffen! Musst nur weiter machen...“. Leider zerschellte auch diese Einschätzung. 

Crossover

 „Crossover“ scheint eine Zauberformel vergangener Zeiten, die Überschreitung der vor allem von Profitinteressen vorgegebenen Genregrenzen war damit gemeint. So war in der letzten Vergangenheit die Vermischung von Metal und Funk beliebt. Geradezu spezielle Reize schien der Vermischung verschiedener Genrekennzeichen auf Künster der Popmusik auszuüben. Doch mittlerweile scheint sich das Blatt vollkommen gewandelt zu haben. Jegliche Art von Popmusik scheint streng formatiert und auf krass fraktionierte Ziwelgruppen zugeschnitten zu sein. Unter anderem, man weiß das wohl, scheint dies auch den Diktaten der „Playlists“ und der streamingorientierten Digitalwirtschaft geschuldet, die auf eine möglichst schnelle und effiziente Einordnung bedacht ist. Darin gleicht sie übrigens den Bestrebungen, denen die Menschen zunehmend ausgesetzt sind: auch sie sollen sich einordnen in globale und Marktorientierte Konsumprozesse. Dies erzeuge Wachstum, so die gängige Lüge. Und Wachstum befördere die Wirtschaft, sie brauche dies regelrecht, Wachsttum sei die Voraussetzung „für alles“. Meine eigene Musik, die eine Überschreitung von Genregrenzen quasi in sich trägt und die Einflüsse eines langen Zeitraums aufnehmen will, ist in puncto Hörerschaft radikal gescheitert. Es scheint sich nahezu niemand mehr für einen solchen Ansatz zu interessieren. Popmusik scheint zu einer allzeit und überall verfügbaren anonymen Masse geworden zu sein. Was zählt, ist der schnelle Kick und das durchschlagskräftige Lick. Dies spielt sich in einem digitalen Geschäft ab, das absolut und überall von Kaufleuten dominiert ist. Wo sind die Liebhaber und die Interessierten? Auch sie sind offenbar verschwunden, interessieren sich offenbar nur noch für ihre Wahrnehmungsblase. Für ihre, unter anderem auch sozial abhängige Auffassung von Gut und Schlecht.

Crossover

 „Crossover“ scheint eine Zauberformel vergangener Zeiten, die Überschreitung der vor allem von Profitinteressen vorgegebenen Genregrenzen war damit gemeint. So war in der letzten Vergangenheit die Vermischung von Metal und Funk beliebt. Geradezu spezielle Reize schien der Vermischung verschiedener Genrekennzeichen auf Künster der Popmusik auszuüben. Doch mittlerweile scheint sich das Blatt vollkommen gewandelt zu haben. Jegliche Art von Popmusik scheint streng formatiert und auf krass fraktionierte Ziwelgruppen zugeschnitten zu sein. Unter anderem, man weiß das wohl, scheint dies auch den Diktaten der „Playlists“ und der streamingorientierten Digitalwirtschaft geschuldet, die auf eine möglichst schnelle und effiziente Einordnung bedacht ist. Darin gleicht sie übrigens den Bestrebungen, denen die Menschen zunehmend ausgesetzt sind: auch sie sollen sich einordnen in globale und Marktorientierte Konsumprozesse. Dies erzeuge Wachstum, so die gängige Lüge. Und Wachstum befördere die Wirtschaft, sie brauche dies regelrecht, Wachsttum sei die Voraussetzung „für alles“. Meine eigene Musik, die eine Überschreitung von Genregrenzen quasi in sich trägt und die Einflüsse eines langen Zeitraums aufnehmen will, ist in puncto Hörerschaft radikal gescheitert. Es scheint sich nahezu niemand mehr für einen solchen Ansatz zu interessieren. Popmusik scheint zu einer allzeit und überall verfügbaren anonymen Masse geworden zu sein. Was zählt, ist der schnelle Kick und das durchschlagskräftige Lick. Dies spielt sich in einem digitalen Geschäft ab, das absolut und überall von Kaufleuten dominiert ist. Wo sind die Liebhaber und die Interessierten? Auch sie sind offenbar verschwunden, interessieren sich offenbar nur noch für ihre Wahrnehmungsblase. Für ihre, unter anderem auch sozial abhängige Auffassung von Gut und Schlecht.

Meditative Musik und Verkäuflichkeit

Natürlich schleppt der moderne Mensch eine Art „spirituelles“ oder „religiöses“ Anliegen mit sich herum, das er auch gerne mal auf die Musik projeziert. Musik soll ja das sein, was man nicht anders sagen kann…..sagen bedeutende Geister. Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, - behauptete auch Nietzsche. Die ausschließliche Jagd nach Geld scheint jedenfalls den modernen Menschen nicht ausfüllen zu können. Der Markt der spirituellen Bewusstseinswaren wird also diesem Bedürfnis nachgehend immer größer. Der neueste Trend scheint spirituelle Erleuchtung per Internet zu sein. Hier einen Kurs zu buchen (mit meditativer Musik als unterspülender „Leichtmacher“), sich eines Coachings zu unterziehen oder sich per Skype unterweisen zu lassen, kann offenbar viel Kohle bringen (da springt auch etwas für den unbekannten Meister (oder die Meisterin?) heraus, der die Musik liefert). Es scheint jedenfalls darum zu gehen, sich selbst als Medium darzustellen, das offen ist für allerlei spirituelle Erfahrung. „Inspiration“ liefern, Menschen einen Kick in Richtung anderer Bewusstseinsebenen zu geben, das kann neben der guten alten Guru-Funktion, die Menschen zur Orientierung zu brauchen scheinen, ein gutes Geschäft sein. In der Rockmusik machten das schon früh unter anderem John McLaughlin und Carlos Santana klar. Gerade Santana scheint inzwischen abgekippt zu sein in die breite und völlig unspirituelle US-Popmusik. Von Spirituellem ist bei ihm offenbar nur noch in seinen Verkaufssprüchen und seinem Auftreten die Rede.

 

Sensibel scheinen „Medien“ oft dadurch geworden zu sein, indem sie selbst trainiert oder „gecoacht“ wurden und sich allerlei Unterweisungen unterzogen. So machen Jünger ihre Jünger selbst, vervielfältigen ihre Ansichten, indem sie ein Bedürfnis ihrer Mitmenschen befriedigen. Es gilt für alle, „Wege in die Spiritualität“ zu weisen. Kam es Leuten wie mir immer so vor, als sei dies etwas höchst Individuelles sein, so scheint es den „Seelentröstern“ des Internet darum zu gehen, ihre Aussagen möglichst so breit multiplizieren zu können, sie so sehr zu einem gut verkäuflichen Artikel des Seelenlebens zu machen, dass das Ergebnis manchmal etwas unpersönlich und austauschbar erscheint. Manchmal winken dabei Karrieren, die Erstaunen auslösen, CDs aufnehmen und absetzen, Bücher schreiben und verkaufen, daraus Hörbücher erstellen, etwas im Hörer auslösen, vor allem etwas Kollektives bei Massenveranstaltungen wie etwa Konzerten, den großen Beeinflusser, Wegweiser und Vorausgeher mit dem ganzen Instrumentarium der Suggestion zu geben, das gehört eigentlich zum Rüstzeug eines jeden „spirituellen“ Bewusstseinsarbeiters, früher und heute. Für Skepsis oder Kritik bleibt da wenig Raum, es gilt vielmehr das widerspruchsfreie „ergriffen“ sein auslösen und verstärken und mitmachen in einem kollektiven Taumel, dem gerne ein quasi meditativen Anstrich gegeben wird, in dem der Eindruck vermittelt wird, man sei mit dem verbunden, was den Menschen so recht eigentlich ausmacht. „Positives Denken“ ist einer der Inhalte, die in diesem Zusammenhang immer wieder gepredigt werden. Spiritualität online verfügbar machen, das würde den zeitgeistigen Schritt in eine massenhafte Verwertbarkeit aufzeigen und sie in größer Breite zu teilen. Selbsthilfe im Netz vermag Millionenumsätze generieren. Besser noch, das Angebot ist garniert mit entspannender Musik. Der Welt etwas von einer anderen Wirklichkeit erzählen, mag nicht nur einen Drang zur massenhaften Verbreitung, sondern auch zu einer maximalen Verkäuflichkeit erzeugen. Ziel: Das sollen alle wissen! (und dafür zahlen). Dass dadurch allerlei Oberflächlichkeiten Tür und Tor geöffnet sind, mag geradezu folgerichtig erscheinen....Wow!

Musizieren

Was meine Musik ausgemacht hat, was alle Musik ausmacht, was sie jetzt ausmacht? Erstens: Musik wird nicht nur abstrakt geplant und arrangiert, sondern ist ein Ergebnis von sozialen Situationen. D.h., ob ich damals in Bands gespielt habe mit anderen Musikerinnen und Musikern zusammen, die ganz bestimmte Qualitäten hatten und andere nicht, das war entscheidend für das Ergebnis. Das gilt auch für gewisse andere Musiker. Auch wie viele Gelegenheiten zur Probe es gab, welche Proberäume zur Verfügung standen, wie lange und wie oft wir sie nutzen konnten, welche Vorkenntnisse und Fertigkeiten es gab, wovon man „beeinflusst“ war, ob es Konflikte zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gruppe (der Band) gab, welche Leute überhaupt mitmachten und wie sie sich beispielsweise identifizierten mit einem Ziel, wie sie sich "dran hängten" an gewisse Absichten, wie sehr sie von finanziellen Einkünften abhängig waren, wie lange sie durchhalten konnten, um ein gewisses Ziel zu erreichen … usw. Das alles hatte großen Einfluss auf unsere Übereinkunft, die sich in Musik ausdrückte und deren Umsetzung eingeübt werden wollte. Eine Zeit später bestimmten die sozialen Umstände einer Plattenfirma auf vielerlei Weise, was sich in einem musikalischen Projekt abspielen konnte, wie gut es voran kam usw..   Zweitens: Heutzutage, in der Vereinzelung neoliberaler Umstände, wenn jedermann seines eigenen Glückes Schmied ist, drückt sich das in der zur Verfügung stehenden Software und den Sounds aus, die in ein Ergebnis einfließen können. In dem, was eine bestimmte Software zulässt. Anders die reproduzierenden Musiker: sie sammelten Jobs und verdienten (spärliches) Geld und tun das heute noch. Sie wurden angerufen, der Recording-Vorgang, Aufnahmesessions waren zunächst nicht sehr wichtig für sie. Es mag sein, dass sich auf diese Weise auch gewisse „Stars“ heraus schälten und in einen Vorgang des selbständigen Verdienens einflossen. Dann wurde promoted, teuer aufgenommen, fotografiert und in alle Richtungen betreut, wie in der Popmusik. Es ging nun darum, "besser" als andere (Insbesondere der "Mitwettbewerber") zu sein. Beliebt schienen Vertretungsjobs gewesen zu sein, also das kurzfristige Einspringen für Kollegen, die verhindert waren. Aufgrund von exzellenten handwerklichen Fähigkeiten war dies jederzeit möglich. Im Bereich der Popmusik gibt es das wohl weniger, im Jazz hingegen sehr wohl. Heutzutage haben sich die Szenen radikal aufgesplittert, niemand weiß noch vom anderen, der andere Musik mit anderen Absichten macht. Dabei wäre gerade eine solche übergreifende Sicht auf so etwas wie Musik sehr wichtig.

Projektionen und Verkörperung

Projektionen sind das, was Leute in etwas oder Jemandem sehen wollen, was sie „hinein legen“. Es gilt nun für gewisse Leute, diese Stanzen, Schablonen und vorgeformten Erwartungen durch Sprüche, Haltungen und Anmutung handwerklich perfekt auszufüllen. Sie tun das gerade im Popgeschäft (aber auch in der Politik) viel, was nicht unbedingt mit ihrer Musik zu tun hat. Sie geben eine bestimmte Figur, nach der die Masse aus bestimmten Gründen verlangt. Prinzip: Es werden beispielsweise Sehnsüchte projeziert: der „Star“ lebt das, was jemand gerne sein würde. Er lebt in einem Märchen. Er lebt stellvertretend für jemanden etwas aus.

Er ist unermesslich reich, wo ich mir Gedanken um das Überleben in den nächsten Tag hinein machen muss. Meine Gefühle werden durch ihn fokussiert wie in einem Spiegel einer Figur. In der Rockmusik ist das unter anderem der unerschrockene Künstler, der Individualist, der bedingungslos sich selbst lebt. „Vitalismus“ nannte das 100 Jahre zuvor der Philosoph Friedrich Nietzsche. All das ist dem „normalen“ und mehrfach vergesellschafteten Konzertgänger nicht vergönnt. Der „Star“ (Mittlerweile bedeutet das gar nichts mehr: es soll schon ein „Superstar“ oder „Megastar“ sein!) zieht sämtliche Emotionen auf den eigenen Projektionsschirm, er vereint, bündelt und verkörpert sie, oft auch im Hinblick auf ein bestimmtes Handeln aus einer bestimmten Haltung heraus, - was eine gefährliche Nähe zu totalitären Machthabern abgibt, die ebenso zu so etwas neigen. Konzerte gestalten sich insofern wie Gottesdienste, bei denen es gilt, solchen industriegefertigten Figuren zu huldigen. Es werden scheinbar eherne Weisheiten verkündet, die Orientierung verleihen sollen und ein "Angebot" darstellen. Es gilt, Zeremonien der Verehrung und Bewunderung zu vollziehen.

Anleihen

Ich erinnere mich noch, wie einst die Leute bekämpft wurden, die einen wie auch immer gearteten Brückenschlag zwischen folkloristischer Musik außerhalb des anglophonen Sprachraums und der gängigen Popmusik versuchten (Oberflächlichkeit war damals so ein gängiger Vorwurf, - als sei ausgerechnet Popmusik ein Beispiel für kulturellen Tiefgang!!, - von Kolonialismus und Imperialismus war gerne mal die Rede, von Dünnbrettbohrereien, Oberflächlichkeiten und zu schneller Effizienz (ich hörte in Gesprächen oft, das alles sei „zu schnell“ produziert und zusammengeschustert…). Positiv schien das so gemeint zu sein: Man wolle „fremde“ Kulturen ernster nehmen, ihnen nicht ihre Identität klauen. 

 

Mittlerweile ist es wohl an der Zeit, den Vorwurf umzudrehen und denen entgegen zu halten, die mit ihrer anglophonen Scheise die ganze Welt überschwemmen, die „ihre“ Popmusik als Maß aller Dinge sehen wollen, weil sie ja die großen Medienkonzerne samt Vertriebskanälen halten und dafür die Macht inne haben (jawohl, es geht um die Macht über Vertriebskanäle...). Jegliche „andere“ Musik wurde von ihnen als „irrelevant“ bezeichnet, damit sie den Markt mit ihren speziell formatierten Produkten besser überschwemmen konnten. Oft genug erhoben sie auch noch den Anspruch, sich mit ihrem Geschmack und mit ihren „Produkten“ als das Wichtigste der Welt und „Referenzpunkt“ zu verkaufen… Bah! Welche Arroganz! Klar, inzwischen hat sich der ganze Freizeitmarkt stark verändert, die sozialen Medien spielen ihre globale Rolle, die Popmusik ist als Showbusiness ganz und scheinbar mühelos ins Geflecht wirtschaftlicher Interessen gewechselt, usw. In Wirklichkeit scheinen mir aber diejenigen die Imperialisten zu sein, die andere überschwemmen, überwältigen und ausbeuten wollen mit ihren „Produkten“. Vorläufig noch…..

Crossover

 „Crossover“ scheint eine Zauberformel vergangener Zeiten, die Überschreitung der vor allem von Profitinteressen vorgegebenen Genregrenzen war damit gemeint. So war in der letzten Vergangenheit die Vermischung von Metal und Funk beliebt. Geradezu spezielle Reize schien der Vermischung verschiedener Genrekennzeichen auf Künster der Popmusik auszuüben. Doch mittlerweile scheint sich das Blatt vollkommen gewandelt zu haben. Jegliche Art von Popmusik scheint streng formatiert und auf krass fraktionierte Ziwelgruppen zugeschnitten zu sein. Unter anderem, man weiß das wohl, scheint dies auch den Diktaten der „Playlists“ und der streamingorientierten Digitalwirtschaft geschuldet, die auf eine möglichst schnelle und effiziente Einordnung bedacht ist. Darin gleicht sie übrigens den Bestrebungen, denen die Menschen zunehmend ausgesetzt sind: auch sie sollen sich einordnen in globale und Marktorientierte Konsumprozesse. Dies erzeuge Wachstum, so die gängige Lüge. Und Wachstum befördere die Wirtschaft, sie brauche dies regelrecht, Wachsttum sei die Voraussetzung „für alles“. Meine eigene Musik, die eine Überschreitung von Genregrenzen quasi in sich trägt und die Einflüsse eines langen Zeitraums aufnehmen will, ist in puncto Hörerschaft radikal gescheitert. Es scheint sich nahezu niemand mehr für einen solchen Ansatz zu interessieren. Popmusik scheint zu einer allzeit und überall verfügbaren anonymen Masse geworden zu sein. Was zählt, ist der schnelle Kick und das durchschlagskräftige Lick. Dies spielt sich in einem digitalen Geschäft ab, das absolut und überall von Kaufleuten dominiert ist. Wo sind die Liebhaber und die Interessierten? Auch sie sind offenbar verschwunden, interessieren sich offenbar nur noch für ihre Wahrnehmungsblase. Für ihre, unter anderem auch sozial abhängige Auffassung von Gut und Schlecht.

Meditative Musik und Verkäuflichkeit

Natürlich schleppt der moderne Mensch eine Art „spirituelles“ oder „religiöses“ Anliegen mit sich herum, das er auch gerne mal auf die Musik projeziert. Musik soll ja das sein, was man nicht anders sagen kann…..sagen bedeutende Geister. Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, - behauptete auch Nietzsche. Die ausschließliche Jagd nach Geld scheint jedenfalls den modernen Menschen nicht ausfüllen zu können. Der Markt der spirituellen Bewusstseinswaren wird also diesem Bedürfnis nachgehend immer größer. Der neueste Trend scheint spirituelle Erleuchtung per Internet zu sein. Hier einen Kurs zu buchen (mit meditativer Musik als unterspülender „Leichtmacher“), sich eines Coachings zu unterziehen oder sich per Skype unterweisen zu lassen, kann offenbar viel Kohle bringen (da springt auch etwas für den unbekannten Meister (oder die Meisterin?) heraus, der die Musik liefert). Es scheint jedenfalls darum zu gehen, sich selbst als Medium darzustellen, das offen ist für allerlei spirituelle Erfahrung. „Inspiration“ liefern, Menschen einen Kick in Richtung anderer Bewusstseinsebenen zu geben, das kann neben der guten alten Guru-Funktion, die Menschen zur Orientierung zu brauchen scheinen, ein gutes Geschäft sein. In der Rockmusik machten das schon früh unter anderem John McLaughlin und Carlos Santana klar. Gerade Santana scheint inzwischen abgekippt zu sein in die breite und völlig unspirituelle US-Popmusik. Von Spirituellem ist bei ihm offenbar nur noch in seinen Verkaufssprüchen und seinem Auftreten die Rede.

 

Sensibel scheinen „Medien“ oft dadurch geworden zu sein, indem sie selbst trainiert oder „gecoacht“ wurden und sich allerlei Unterweisungen unterzogen. So machen Jünger ihre Jünger selbst, vervielfältigen ihre Ansichten, indem sie ein Bedürfnis ihrer Mitmenschen befriedigen. Es gilt für alle, „Wege in die Spiritualität“ zu weisen. Kam es Leuten wie mir immer so vor, als sei dies etwas höchst Individuelles sein, so scheint es den „Seelentröstern“ des Internet darum zu gehen, ihre Aussagen möglichst so breit multiplizieren zu können, sie so sehr zu einem gut verkäuflichen Artikel des Seelenlebens zu machen, dass das Ergebnis manchmal etwas unpersönlich und austauschbar erscheint. Manchmal winken dabei Karrieren, die Erstaunen auslösen, CDs aufnehmen und absetzen, Bücher schreiben und verkaufen, daraus Hörbücher erstellen, etwas im Hörer auslösen, vor allem etwas Kollektives bei Massenveranstaltungen wie etwa Konzerten, den großen Beeinflusser, Wegweiser und Vorausgeher mit dem ganzen Instrumentarium der Suggestion zu geben, das gehört eigentlich zum Rüstzeug eines jeden „spirituellen“ Bewusstseinsarbeiters, früher und heute. Für Skepsis oder Kritik bleibt da wenig Raum, es gilt vielmehr das widerspruchsfreie „ergriffen“ sein auslösen und verstärken und mitmachen in einem kollektiven Taumel, dem gerne ein quasi meditativen Anstrich gegeben wird, in dem der Eindruck vermittelt wird, man sei mit dem verbunden, was den Menschen so recht eigentlich ausmacht. „Positives Denken“ ist einer der Inhalte, die in diesem Zusammenhang immer wieder gepredigt werden. Spiritualität online verfügbar machen, das würde den zeitgeistigen Schritt in eine massenhafte Verwertbarkeit aufzeigen und sie in größer Breite zu teilen. Selbsthilfe im Netz vermag Millionenumsätze generieren. Besser noch, das Angebot ist garniert mit entspannender Musik. Der Welt etwas von einer anderen Wirklichkeit erzählen, mag nicht nur einen Drang zur massenhaften Verbreitung, sondern auch zu einer maximalen Verkäuflichkeit erzeugen. Ziel: Das sollen alle wissen! (und dafür zahlen). Dass dadurch allerlei Oberflächlichkeiten Tür und Tor geöffnet sind, mag geradezu folgerichtig erscheinen....Wow!

Musizieren

Was meine Musik ausgemacht hat, was alle Musik ausmacht, was sie jetzt ausmacht? Erstens: Musik wird nicht nur abstrakt geplant und arrangiert, sondern ist ein Ergebnis von sozialen Situationen. D.h., ob ich damals in Bands gespielt habe mit anderen Musikerinnen und Musikern zusammen, die ganz bestimmte Qualitäten hatten und andere nicht, das war entscheidend für das Ergebnis. Das gilt auch für gewisse andere Musiker. Auch wie viele Gelegenheiten zur Probe es gab, welche Proberäume zur Verfügung standen, wie lange und wie oft wir sie nutzen konnten, welche Vorkenntnisse und Fertigkeiten es gab, wovon man „beeinflusst“ war, ob es Konflikte zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gruppe (der Band) gab, welche Leute überhaupt mitmachten und wie sie sich beispielsweise identifizierten mit einem Ziel, wie sie sich "dran hängten" an gewisse Absichten, wie sehr sie von finanziellen Einkünften abhängig waren, wie lange sie durchhalten konnten, um ein gewisses Ziel zu erreichen … usw. Das alles hatte großen Einfluss auf unsere Übereinkunft, die sich in Musik ausdrückte und deren Umsetzung eingeübt werden wollte. Eine Zeit später bestimmten die sozialen Umstände einer Plattenfirma auf vielerlei Weise, was sich in einem musikalischen Projekt abspielen konnte, wie gut es voran kam usw..   Zweitens: Heutzutage, in der Vereinzelung neoliberaler Umstände, wenn jedermann seines eigenen Glückes Schmied ist, drückt sich das in der zur Verfügung stehenden Software und den Sounds aus, die in ein Ergebnis einfließen können. In dem, was eine bestimmte Software zulässt. Anders die reproduzierenden Musiker: sie sammelten Jobs und verdienten (spärliches) Geld und tun das heute noch. Sie wurden angerufen, der Recording-Vorgang, Aufnahmesessions waren zunächst nicht sehr wichtig für sie. Es mag sein, dass sich auf diese Weise auch gewisse „Stars“ heraus schälten und in einen Vorgang des selbständigen Verdienens einflossen. Dann wurde promoted, teuer aufgenommen, fotografiert und in alle Richtungen betreut, wie in der Popmusik. Es ging nun darum, "besser" als andere (Insbesondere der "Mitwettbewerber") zu sein. Beliebt schienen Vertretungsjobs gewesen zu sein, also das kurzfristige Einspringen für Kollegen, die verhindert waren. Aufgrund von exzellenten handwerklichen Fähigkeiten war dies jederzeit möglich. Im Bereich der Popmusik gibt es das wohl weniger, im Jazz hingegen sehr wohl. Heutzutage haben sich die Szenen radikal aufgesplittert, niemand weiß noch vom anderen, der andere Musik mit anderen Absichten macht. Dabei wäre gerade eine solche übergreifende Sicht auf so etwas wie Musik sehr wichtig.

Projektionen und Verkörperung

Projektionen sind das, was Leute in etwas oder Jemandem sehen wollen, was sie „hinein legen“. Es gilt nun für gewisse Leute, diese Stanzen, Schablonen und vorgeformten Erwartungen durch Sprüche, Haltungen und Anmutung handwerklich perfekt auszufüllen. Sie tun das gerade im Popgeschäft (aber auch in der Politik) viel, was nicht unbedingt mit ihrer Musik zu tun hat. Sie geben eine bestimmte Figur, nach der die Masse aus bestimmten Gründen verlangt. Prinzip: Es werden beispielsweise Sehnsüchte projeziert: der „Star“ lebt das, was jemand gerne sein würde. Er lebt in einem Märchen. Er lebt stellvertretend für jemanden etwas aus.

Er ist unermesslich reich, wo ich mir Gedanken um das Überleben in den nächsten Tag hinein machen muss. Meine Gefühle werden durch ihn fokussiert wie in einem Spiegel einer Figur. In der Rockmusik ist das unter anderem der unerschrockene Künstler, der Individualist, der bedingungslos sich selbst lebt. „Vitalismus“ nannte das 100 Jahre zuvor der Philosoph Friedrich Nietzsche. All das ist dem „normalen“ und mehrfach vergesellschafteten Konzertgänger nicht vergönnt. Der „Star“ (Mittlerweile bedeutet das gar nichts mehr: es soll schon ein „Superstar“ oder „Megastar“ sein!) zieht sämtliche Emotionen auf den eigenen Projektionsschirm, er vereint, bündelt und verkörpert sie, oft auch im Hinblick auf ein bestimmtes Handeln aus einer bestimmten Haltung heraus, - was eine gefährliche Nähe zu totalitären Machthabern abgibt, die ebenso zu so etwas neigen. Konzerte gestalten sich insofern wie Gottesdienste, bei denen es gilt, solchen industriegefertigten Figuren zu huldigen. Es werden scheinbar eherne Weisheiten verkündet, die Orientierung verleihen sollen und ein "Angebot" darstellen. Es gilt, Zeremonien der Verehrung und Bewunderung zu vollziehen.

Anleihen

Ich erinnere mich noch, wie einst die Leute bekämpft wurden, die einen wie auch immer gearteten Brückenschlag zwischen folkloristischer Musik außerhalb des anglophonen Sprachraums und der gängigen Popmusik versuchten (Oberflächlichkeit war damals so ein gängiger Vorwurf, - als sei ausgerechnet Popmusik ein Beispiel für kulturellen Tiefgang!!, - von Kolonialismus und Imperialismus war gerne mal die Rede, von Dünnbrettbohrereien, Oberflächlichkeiten und zu schneller Effizienz (ich hörte in Gesprächen oft, das alles sei „zu schnell“ produziert und zusammengeschustert…). Positiv schien das so gemeint zu sein: Man wolle „fremde“ Kulturen ernster nehmen, ihnen nicht ihre Identität klauen. 

 

Mittlerweile ist es wohl an der Zeit, den Vorwurf umzudrehen und denen entgegen zu halten, die mit ihrer anglophonen Scheise die ganze Welt überschwemmen, die „ihre“ Popmusik als Maß aller Dinge sehen wollen, weil sie ja die großen Medienkonzerne samt Vertriebskanälen halten und dafür die Macht inne haben (jawohl, es geht um die Macht über Vertriebskanäle...). Jegliche „andere“ Musik wurde von ihnen als „irrelevant“ bezeichnet, damit sie den Markt mit ihren speziell formatierten Produkten besser überschwemmen konnten. Oft genug erhoben sie auch noch den Anspruch, sich mit ihrem Geschmack und mit ihren „Produkten“ als das Wichtigste der Welt und „Referenzpunkt“ zu verkaufen… Bah! Welche Arroganz! Klar, inzwischen hat sich der ganze Freizeitmarkt stark verändert, die sozialen Medien spielen ihre globale Rolle, die Popmusik ist als Showbusiness ganz und scheinbar mühelos ins Geflecht wirtschaftlicher Interessen gewechselt, usw. In Wirklichkeit scheinen mir aber diejenigen die Imperialisten zu sein, die andere überschwemmen, überwältigen und ausbeuten wollen mit ihren „Produkten“. Vorläufig noch…..