Der Lautmaler

Eine Scheibe, mit deren Inhalt ich schon wochenlang lebe, an die ich von Anfang an auch die höchsten Ansprüche stellte und die mich nicht enttäuscht hat: Dominic Millers „Absinthe“. Miller ist schon viele viele Jahre der Gitarrist von Sting und hat die Ideen des Anführers stets kongenial mit großer Inspiration umgesetzt. Neuerdings bringt er dazu auch seinen Sohn mit, der ebenfalls Gitarre spielt. Davor war er jahrelang als Studiomusiker tätig, hatte unter anderem für Phil Collins, Paul Simon, und viele andere Superstars gespielt. So hatte er unter anderem bei etwa 250 Tonträgern mitgewirkt, ehe er zur Band von Sting kam. Geboren in Argentinien als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer irischen Mutter, wuchs Miller ab dem Alter von 10 Jahren in den USA auf und ging dann in England weiter zur Schule. In der Vergangenheit hatte ich ihn immer wieder gehört und war überwältigt von seiner erzählenden Art, die auf nahezu endlosem technischem Können fußte und sich trotzdem nirgendwo mit leerem Virtuosentum aufdrängte. Er erzählte mir mit seinem Instrument die Dinge, die man auf der Gitarre erzählen kann, wobei bei ihm stets seine argentinische Vergangenheit eine wichtige Rolle zu spielen schein. Auf dem von Manfred Eicher nun produzierten ECM-Album spielt der Schlagzeuger Manu Katché mit, der Keyboarder Mark Lindup, der Bassist Nicolas Fiszman sowie Santiago Arias aus Buenos Aires am Bandoneon. Zurückhaltende, melancholische Melodien zieht Arias, genau wie Miller selbst. Es entsteht eine lautmalerische Atmosphäre, die frei über einen kommt und einen nicht mehr los lässt. Zum Beispiel auf „Saint Vincent“, dem letzten Stück des Albums, das sich nicht auf Vincent van Gogh bezieht, sondern auf den verstorbenen kamerunischen Gitarristen Vincent Nguini, der lange mit Paul Simon gespielt und aufgetreten war. Miller schwärmt von dessen großartigem Timing und versucht, dies auch ein wenig in sein Album einzubringen. Es spielt Miller hier auf der gelegentlich von der Stahlsaitengitarre ergänzten Nylongitarre, die von „Absinthe“, dem Auftaktstück bis „Saint Vincent“ durchweg das akustische Geschehen prägt. Stets scheinen die Musiker auf hohem Niveau aufeinander einzugehen, scheint lebendige Interaktion angesagt. Natürlich hat Miller, wie er bekennt, auch die großartigen Alben in Erinnerung, die Manfred Eicher zusammen mit dem großen brasilianischen Gitarristen Egberto Gismonti produziert hat. Freilich gibt Miller auf „Absinthe“ seinen Mitmusikern viel mehr Raum, scheint den Austausch zwischen den Individuen voran zu bringen. Und immer sind da diese Lautmalereien mit Santiago Arias. Sie schieben sich samten an Millers Malereien. Sie ergänzen sich. Sie malen aus. Sie deuten an. Sie wecken die Phantasie. Was gibt es besseres?

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Musikalische Einheitsware

Was ist da bloß los? Machten wir uns früher das zu eigen, was uns durch die Musik vermittelt wurde, (Wagemut, Utopie, Erkundung fremder Horizonte) so kommt uns die heutige Popmusik seltsam leblos, blutleer und mechanisch vor. Da sind viel zu viele aufgeblasene, simulierte Gefühle, die nach einer Formel abgespult erscheinen. Von einer Utopie ganz zu schweigen, von einem Ziel, das jenseits des kommerziellen Erfolgs liegen würde. Möglichst clean, risikolos und für alle Generationen genießbar soll‘s jetzt sein, - so wie in Hollywood schon lange. Eine Einheitsware, die für nichts steht, außer für das, was uns in einer Show begegnet.

 

Wie mir scheint, machen da auch die alten Säcke noch einmal gerne mit: was sie zu „verkaufen“ haben, ist Nostalgie, das Gefühl, das früher alles besser war. Eine raffinierte Lüge ist das natürlich. Ein Blödsinn. Ein Mittel zum Zwecke des Geldverdienens, was ja die heutige Generation zum Hauptzweck ihres Lebens erkoren zu haben scheint und was ja im Neoliberalismus ohnehin geheiligt erscheint. Verkauft werden einem hier die alten Gefühle, die einen an die Jugend erinnern sollen....Jeder ist seines Glückes Schmied, eine Art Solidarität unter vielen gibt es nicht, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ach ja, die Sprüche kennen wir! Seltsam, dass in den USA alles mit etwa 10 Jahren Vorlauf zu dominieren scheint. Nur, das mit der direkten Übersetzung aus den USA nach Europa klappt nicht mehr so recht. Wir erkennen allmählich als Europäer unsere eigene Identität und sind stolz darauf. Die „übrige Welt“ ist uns nicht egal: Nein, wir treten in einen Austausch, von dem wir alle profitieren können, weil er uns stimuliert und er uns Dinge aus neuen Perspektiven sehen und fühlen lässt. Wir entdecken immer mehr: Skepsis und kritisches Beharrungsvermögen mögen ihren eigenen Wert haben, unabhängig vom amerikanischen Daueroptimismus, für den wir immer weniger Anlass sehen. Alles zur rechten Zeit und in der richtigen Gewichtung, so mögen wir den Amis zuschreien, bei denen ja die Freiheit vor der Gerechtigkeit rangiert. Ja klar, auch so kann man es machen. Es gilt halt, abzuwägen. Folgen abzuschätzen. Die Sachen im Zusammenhang zu sehen. Wir sind vernetzt und wir wollen nicht in die Vergangenheit zurück, um uns vermeintlich groß zu machen oder aufzublasen.  

Was ankommt

Das kommt direkt an? Was heißt das eigentlich: etwas „kommt an“? Wieso sind die Sängerinnen/Sänger in Bands so wichtig? Fest steht: Die Stimme ist wohl das natürlichste Instrument überhaupt - und noch dazu eine ziemlich emotionale Angelegenheit. Wir merken das auch im Alltag, der zunächst nichts damit zu tun haben scheint, was auf Musik im engeren Sinne weist und doch viele Erklärungsmodelle liefert: Bei Aggression wird die Stimme lauter und schärfer, bei Angst manchmal hauchig, bei totaler Ruhe eher weich und tief. Das hängt unter anderem mit dem Atem und mit der Spannung im Körper zusammen. Doch die damit transportierte Botschaft teilt sich offenbar über Wahrnehmungskanäle mit, die uns meist gar nicht bewusst sind. Möglich muss dabei nur eine gewisse Unmittelbarkeit sein. Man muss das Gefühl haben, jemand singe etwas nur für mich....was sich dann auf ein Aufgehen in der Masse überträgt. Paradox? Dies deckt sich mit den Ergebnissen von Studien, nachdem sich bei Menschen, die zusammen Live-Musik erleben, die Gehirnwellen angleichen, - und zwar stärker, als wenn sie dieselbe Musik vom Band hören. Je synchroner die Gehirnwellen, desto mehr Spass haben die Zuhörer offenbar beim Konzert. Es kann sich dann sogar so etwas wie in gemeinsamer Rausch entwickeln, eine Euphorie und Massenhysterie, die ansteckend zu sein scheint.

Doch wie verhält sich's bei Stimmen wie der von Adriano Celentano oder Paolo Conte, die beide aus italienischer Vergangenheit markant herüber zu wehen scheinen? Wieso kommen denn die beide aus Italien? Hat das etwas zu bedeuten? Nun gut, Frank Sinatra oder Bob Dylan haben und hatten auch so eine Stimme der absoluten Wiedererkennbarkeit. Leonard Cohen hüllte sich in sein Eigenes (oder spielte das glaubwürdig...). Joni Mitchell? Vielleicht. Gemessen daraan scheinen die heutigen „Stars“ aus der Retorte zu stammen. Gerade das Individuelle scheint an ihnen verpönt. HipHop und seine Übergangsgenres etwa stützen sich auf kollektive Gültigkeit, je mehr er individuellen Figuren zuwächst. Es werden Stars geboren, die freilich ihre Einmaligkeit oft genug nicht durch ihr musikalisches Profil erlangt haben. Das, mit dem sich jeder identifizieren kann, das Massenhafte, Kollektive, scheint immer mehr populäre Qualität erlangt zu haben. Jedenfalls, was die Stimme im musikalischen Sinne anbetrifft. Etwaige Defizite werden durch Image, optische Anmutung und Charisma mehr als ausgeglichen.

 

Doch es scheint zumindest auf einem höheren Niveau darauf anzukommen, die eigene Stimme zu finden, das Typische und Individuelle an ihr. In einem Konzert freilich scheinen gewisse kollektive Mechanismen zu greifen, die so gar nichts mit einer Einmaligkeit oder Individualität zu tun haben. Ob diese Dinge auch reflektieren, dass „Stars“ ihr Geld zunehmend durch Konzerte und weniger durch Tonkonserven verdienen?

Was Popkritik sein könnte

Ich nehme immer wieder wahr, dass Pop-Kritik, überhaupt das bewusste Aufnehmen und Reflektieren von Popmusik, als Spassbremse empfunden wird. Der unmittelbare direkte Genuss, der Flash des Augenblicks werde verdorben, so der gängige Vorwurf. Genusssteigerung sei doch eigentlich angesagt, wo der Popkritiker elaboriert herummäkle. Gefühl, Erleben, Erfahrung, Körperliches sei angesagt im Gegensatz zu einem abstrakten Mäkeln.

 

Leider stützt ein gewisses Bescheid- und Besserwissen sowie eine Auswahl von Wortklaubereien und Rabulismen aller Art diese oft gehörten Ansichten. Außerdem scheint die Popkritik zu oft einer oft unverständlichen Geheimwissenschaft der Auskenner sowie einer Gemeinsamkeit der Hipster zu gleichen, die sich selbst ihre Elitarismen zugute halten und „den Anderen“ Denkfaulheit und Verharren in Klischees zugute halten. Dass Popkritik dadurch in einem gewissen Gegensatz zu dem populären Element des Pop, zu den „Popularismen“ steht, scheint mir auch zu oft stillschweigend akzeptiert und ein Mittel der sozialen Distinktion zu sein. Etwas Richtiges im Falschen aufzeigen, könnte ein honoriges Versprechen solcher Popkritik sein. Möglicherweise resultiert sie aus dem Erbe der siebziger Jahre. Mir persönlich ging es vor allem darum, Popmusik halbwegs bewusst wahrzunehmen, sich gewisser hinter ihre stehender Mechanismen bewusst zu werden. Gerade nicht im Strudel der wirtschaftlich ausgebeuteten Unmittelbarkeit unterzugehen, war mein Ziel. Sondern nachdenkliche Distanz zu wahren, Ironie und Humor walten zu lassen. Queer-Ansätze und Machttheorien waren mir zwar bekannt, schienen mir aber allzu oft übers Ziel hinaus zu schießen. Die Aufmerksamkeitsökonomie mit all ihren Folgen (Internet u.a.) scheint dies alles mittlerweile überspült zu haben. Was zählt, ist das Großevent, die Bestätigung, die Affirmation der unmittelbaren Affekte, un die Selbstfeier der Musikindustrie, die auch schon mal Teil der Kulturindustrie sein kann.  

Wo bleibt die Popmusik?

Was eigentlich ist mit der Seligsprechung des Rap und Hiphop, nachdem das, wie meist bei „subkulturellen“ Bewegungen, in die Mainstream-Kultur eingewandert ist? Manch einer mag ja die anderen Strömungen des Pop, die in grauer Vorzeit einmal etwas mit Rock zu tun hatten, längst aufgegeben haben. Es gab, wie immer, Preise bei Preisverleihungen, bei Grammys, bei vielen anderen Music Awards und auf vielerlei Arten ausgelobten Veranstaltungen der Entertainment-Industrie. Bilder von Goldkettchen, große Schlitten und Miezen mit möglichst viel Titten und Arsch? Klischees, gewiss. Aber unterfüttert mit Realität.  Kendrick Lamar wird als neue Bezugsfigur ausgerufen, weil er ja nicht so ist. Einer mit politischem Standpunkt. Ein Straßenköter. Einmal soll er sogar bei den Grammys für viel Aufsehen gesorgt haben, als er als Sträfling in einer Chain Gang (Gruppe in Ketten) auftrat, das weiße Establishment und die rassistische Musikindustrie wüst beschimpfte. Toll, nichtwahr? Wow, wir sind da ein bisschen skeptisch, weil wir solche Strategien und Verhaltensweisen ein bisschen zu kennen glauben. Jetzt ist es modern, sich als Gegner von Trump zu geben, was ja selbst in den USA nicht unbedingt als schwierig erscheint. Trump-Bashing muss unter Künstlern ja unbedingt sein. Nur kosten darf es nichts. Sehr angesagt ist es gerade unter weiblichen Künstlern (wieso eigentlich nicht auch unter männlichen...?), die „Metoo“-Bewegungen zu propagieren. So auch bei den Grammys. US-Sängerinnen wie Lady Gaga, Kelly Clarkson, Miley Cyrus und andere trugen dort offenbar weiße Rosen auf dem roten Teppich, um ihre Solidarität für die Bewegungen zu zeigen. Wie sich aber unsere unmittelbare politische Realität spiegelt? In Deutschland und ganz Europa scheint Nationalismus und Populismus im Aufwind. Es gilt die Auseinandersetzung mit einer seltsam verstaubten Idiologie, die oft weit rechts angesiedelt ist und autoritäre Strukturen predigt. Die sich statt Verständnis und Verbindung eine unerbittliche Abgrenzung und Unterscheidung in drinnen und draußen auf ihre Fahnen geschrieben hat. Dass sie dabei geschickt Argumente und Fakten aufgreift, dort, wo sie ins Weltbild passen, dass sie mit ihnen umgeht, sie einsetzt, gebraucht, verfremdet, dass sie ausgelutschte rassistische Klischees gebraucht, dass sie mit Zeichen in ihrem Sinne spielt, dass sie Feindschaften aufbaut und gebraucht, um ihr und das ihrer „Gegner“ Weltbild abzustützen, sickert immer mehr in unseren Alltag ein. Der Rassismus, der besonders hierzulande, aber auch in den USA eine endlose Geschichte hat, scheint alle emanzipatorischen Errungenschaften, derer man glaubte, sich sicher sein zu können, besonders unter Trump wieder in Frage gestellt zu haben. Auf der Weltbühne scheinen zur Seite flankierend andere Diktatoren, Despoten und Autokraten diese Entwicklungen jeweils auf ihre Art zu bestätigen und dabei sogar demokratisch bestätigt zu werden. Wow, wir fassen es nicht! Wir sind entsetzt! Wo bleibt die Popmusik? All die hochgelobten und politisch anscheinend so aktiven Aktivisten?

Integrationsfalle (1)

Ach ja, wenn wir zurückblicken, dann erinnern wir uns, dass die sogenannte „Integrationsfalle“ schon einen Inhalt für unser Soziologie-Studium abgab. Das System nimmt subkulturelle Signale auf, integriert in sein Zeichensystem, macht sie zur Mode, deutet sie als „chic“ um und versucht, sie zu vermarkten. Heutzutage sind ja ganze Scoutingabteilungen unterwegs, um Trends aufzuschnappen und sie für das Design einer Firma nutzbar zu machen. Doch wir standen an der Seite, als wir dasselbe einst mit allem, was Punk angeht, beobachteten. Hippie, Flower Power und 68er waren da schon vorbei. Sicherheitsnadeln in der Wange, Irokesenfrisuren und zerfetzte Klamotten wurden nun plötzlich chic und galten als der letzte Schrei unter Jugendlichen. Eine ganze Industrie knüpfte sich schließlich an solche Trends und „wertete sie aus“, - last but not least die Musikindustrie. Punk wurde ein gesellschaftlich als avantgardistisch und besonders fortschrittlich gedeutetes Stilmittel, - letzte Rest davon fristen heute ein Dasein als stilistisch avancierter Verkaufsartikel mit einer gewissen „Street credibility“. Gefälligkeit wurde Kennzeichen, - Missklang, Sinnlosigkeit, Tabubruch, Perspektivlosigkeit, Anderssein und Pessimismus waren verpönt oder gekonnt ausgeblendet. Und: Die Popmusik scheint dabei tatkräftig geholfen zu haben. Ja, sie scheint als Ganzes in eine solche „Integrationsfalle“ gegangen zu sein. Waren einst die Markierung von Erfahrungshorizonten und Grenzen des Verhaltens sowie neue Modelle des Zusammenlebens wichtige Inhalte für sie, so wurde sie zunehmend zum Kleiderständer einer Unterhaltungsindustrie, - ohne Inhalte (oder solchen, die dem „Abverkauf“ dienen sollten….). Sie ließ sich willig dazu machen und ist inzwischen in weitgehender Bedeutungslosigkeit untergegangen. Ein Life-Style-Phänomen, mehr nicht. Bespaßung und Ästhetizismus scheinen das bestimmende Moment ihrer gesellschaftlichen Wirkung. Die gegenwärtige Wirtschaftsform scheint sie ausgebeutet zu haben und ihr gleichzeitig zu dienen. 

Pop und Pop-Art

Ich versuche, mir und anderen zu erklären, was Pop-Art sein könnte. Es könnte nämlich davon ein Einfluss auf die Popmusik ausgegangen sein. Bekannt ist, dass es sich dabei um eine Art Kunstrichtung handelt, die etwa gegen Ende der sechziger Jahre ihren Höhepunkt erreichte und mit Namen wie Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Roy Lichtenstein verbunden ist. Dass deren Werke inzwischen hochdotiert und nur für Besitzende erschwinglich sind, mag ein Phänomen des Kunstmarkts sein. Es scheint darum zu gehen, dass die abgebildeten Objekte der Konsumgesellschaft in einem ganz anderen Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung gewinnen. Dieser Effekt wird dadurch erreicht, dass man das Produkt ganz unmittelbarer präsentiert, herausgelöst aus seinem konventionellen Zusammenhang. Es lädt sich quasi mit anderen Bedeutungen auf. Dieser „Verfremdungseffekt“ mag sich auch in der anfänglichen Rockmusik wiederfinden. Formationen wie Pere Ubu oder Künstler wie Frank Zappa mögen solches als Anregung für ihr eigenes Schaffen aufgeschnappt haben. Zitate werden aus ihrem Zusammenhang gerissen und mit neuen Bedeutungen versehen wieder eingeworfen in einen musikalischen Prozess. Spätestens die New Wave-Bewegung der achtziger Jahre mochte dies im Schaffen von Formationen wie B-52s oder Devo aufscheinen lassen. Deren scheinbar groteske Auftritte und Erscheinungen bauten auf den weithin akzeptierten Zeichen des „Normalen“ auf. Auf einem Gefühl des Fremdseins und der Simulation. Talking Heads, die so tun, als ob…...Marx hatte sich mit diesem Gefühl auch auseinander gesetzt und dabei den Begriff des „Fetisch“ gefunden. Auch wollten Warhol & Co. so etwas wie „das Schöne“ im Gewöhnlichen finden. Sie wollten es neu strahlen lassen, sie haben es gleichzeitig geliebt und verabscheut. Die Phänomene. Die Gegenstände. Die von einer unerbittlichen Industrie geschaffenen Dinge, die meist auf Techniken zurückgehen, die sich in einem Gegensatz zur Natur sehen. Es geht um Naturbeherrschung, einem Thema der später sehr intensiv und durchschlagskräftig folgenden „Globalisierung“. 

Rockmythen

Geschrieben im Jahr 2004, den alten Mythos Rockmusik beleuchtend: „So fängt’s an. Ab in die Garage, die Gitarren eingestöpselt und los geht’s: geradeaus, unverfälscht und direkt zieht der Rebell vom Leder. Seine drei Akkorde der Wahrheit und das unergründliche Geheimnis seines mit Emotion aufgeladenen Lärms sind unwiderstehlich. Deshalb wird er von den Agenten der Industrie auch schnell entdeckt. Natürlich sind seine Geniestreiche in einem einzigen atemlosen Schaffensakt aufgenommen und flugs auf frisch gepressten Tonträgern vervielfältigt, so dass jeder daran teilhaben kann. Und schon ist der Rebell ein Star. Ein Superstar. Ein Megastar. So schnell geht das. So erzählt’s das Märchen vom Rockstar.

Voilà, es ist angerichtet: Tumult, Aufruhr, Krawall. Ein neuer Sound: Genialisch und brachialisch, kompromisslos und ehrlich, - wie behauptet wird. Elan Vital. Geschaffen von bösen Buben, die Fernseher aus dem Hotelzimmer werfen und WCs in die Luft sprengen. So muss das sein. Das ist der Mythos des Rock ’n’ Roll, die immer wiederkehrende und fürchterlich ausgeleierte Geschichte vom ehrlichen Rocker. Dieser Rocker muss natürlich nichts können. Sein Publikum braucht auch nichts zu verstehen. Er selbst ist ja durch sich Ausdruck und Selbstinszenierung. So funktionieren Schein, Hype, Übertreibung und Sensation.

 

Doch halt, vielleicht ist das nur die falsche Euphorie von gestern. Vielleicht drängt sich der heutige Popstar zuerst in Castings nach vorne und tritt dann zum ersten Mal vor die Fernsehkamera, um sich gut dressiert, trainiert und motiviert bis zum Gewinner des Wettbewerbs zu qualifizieren. Pop als Leistungssport. Superstars, die Deutschland im Fernsehen sucht und findet. Momentan ist das noch so. Haltbarkeitsdatum: Eine Saison. Figuren, gestanzt nach genormten Vorlagen. Deutschland hat das verdient. Deutschland will schließlich mit Innovationen wieder nach vorne kommen.“ 

Der Lautmaler

Eine Scheibe, mit deren Inhalt ich schon wochenlang lebe, an die ich von Anfang an auch die höchsten Ansprüche stellte und die mich nicht enttäuscht hat: Dominic Millers „Absinthe“. Miller ist schon viele viele Jahre der Gitarrist von Sting und hat die Ideen des Anführers stets kongenial mit großer Inspiration umgesetzt. Neuerdings bringt er dazu auch seinen Sohn mit, der ebenfalls Gitarre spielt. Davor war er jahrelang als Studiomusiker tätig, hatte unter anderem für Phil Collins, Paul Simon, und viele andere Superstars gespielt. So hatte er unter anderem bei etwa 250 Tonträgern mitgewirkt, ehe er zur Band von Sting kam. Geboren in Argentinien als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer irischen Mutter, wuchs Miller ab dem Alter von 10 Jahren in den USA auf und ging dann in England weiter zur Schule. In der Vergangenheit hatte ich ihn immer wieder gehört und war überwältigt von seiner erzählenden Art, die auf nahezu endlosem technischem Können fußte und sich trotzdem nirgendwo mit leerem Virtuosentum aufdrängte. Er erzählte mir mit seinem Instrument die Dinge, die man auf der Gitarre erzählen kann, wobei bei ihm stets seine argentinische Vergangenheit eine wichtige Rolle zu spielen schein. Auf dem von Manfred Eicher nun produzierten ECM-Album spielt der Schlagzeuger Manu Katché mit, der Keyboarder Mark Lindup, der Bassist Nicolas Fiszman sowie Santiago Arias aus Buenos Aires am Bandoneon. Zurückhaltende, melancholische Melodien zieht Arias, genau wie Miller selbst. Es entsteht eine lautmalerische Atmosphäre, die frei über einen kommt und einen nicht mehr los lässt. Zum Beispiel auf „Saint Vincent“, dem letzten Stück des Albums, das sich nicht auf Vincent van Gogh bezieht, sondern auf den verstorbenen kamerunischen Gitarristen Vincent Nguini, der lange mit Paul Simon gespielt und aufgetreten war. Miller schwärmt von dessen großartigem Timing und versucht, dies auch ein wenig in sein Album einzubringen. Es spielt Miller hier auf der gelegentlich von der Stahlsaitengitarre ergänzten Nylongitarre, die von „Absinthe“, dem Auftaktstück bis „Saint Vincent“ durchweg das akustische Geschehen prägt. Stets scheinen die Musiker auf hohem Niveau aufeinander einzugehen, scheint lebendige Interaktion angesagt. Natürlich hat Miller, wie er bekennt, auch die großartigen Alben in Erinnerung, die Manfred Eicher zusammen mit dem großen brasilianischen Gitarristen Egberto Gismonti produziert hat. Freilich gibt Miller auf „Absinthe“ seinen Mitmusikern viel mehr Raum, scheint den Austausch zwischen den Individuen voran zu bringen. Und immer sind da diese Lautmalereien mit Santiago Arias. Sie schieben sich samten an Millers Malereien. Sie ergänzen sich. Sie malen aus. Sie deuten an. Sie wecken die Phantasie. Was gibt es besseres?

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Musikalische Einheitsware

Was ist da bloß los? Machten wir uns früher das zu eigen, was uns durch die Musik vermittelt wurde, (Wagemut, Utopie, Erkundung fremder Horizonte) so kommt uns die heutige Popmusik seltsam leblos, blutleer und mechanisch vor. Da sind viel zu viele aufgeblasene, simulierte Gefühle, die nach einer Formel abgespult erscheinen. Von einer Utopie ganz zu schweigen, von einem Ziel, das jenseits des kommerziellen Erfolgs liegen würde. Möglichst clean, risikolos und für alle Generationen genießbar soll‘s jetzt sein, - so wie in Hollywood schon lange. Eine Einheitsware, die für nichts steht, außer für das, was uns in einer Show begegnet.

 

Wie mir scheint, machen da auch die alten Säcke noch einmal gerne mit: was sie zu „verkaufen“ haben, ist Nostalgie, das Gefühl, das früher alles besser war. Eine raffinierte Lüge ist das natürlich. Ein Blödsinn. Ein Mittel zum Zwecke des Geldverdienens, was ja die heutige Generation zum Hauptzweck ihres Lebens erkoren zu haben scheint und was ja im Neoliberalismus ohnehin geheiligt erscheint. Verkauft werden einem hier die alten Gefühle, die einen an die Jugend erinnern sollen....Jeder ist seines Glückes Schmied, eine Art Solidarität unter vielen gibt es nicht, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ach ja, die Sprüche kennen wir! Seltsam, dass in den USA alles mit etwa 10 Jahren Vorlauf zu dominieren scheint. Nur, das mit der direkten Übersetzung aus den USA nach Europa klappt nicht mehr so recht. Wir erkennen allmählich als Europäer unsere eigene Identität und sind stolz darauf. Die „übrige Welt“ ist uns nicht egal: Nein, wir treten in einen Austausch, von dem wir alle profitieren können, weil er uns stimuliert und er uns Dinge aus neuen Perspektiven sehen und fühlen lässt. Wir entdecken immer mehr: Skepsis und kritisches Beharrungsvermögen mögen ihren eigenen Wert haben, unabhängig vom amerikanischen Daueroptimismus, für den wir immer weniger Anlass sehen. Alles zur rechten Zeit und in der richtigen Gewichtung, so mögen wir den Amis zuschreien, bei denen ja die Freiheit vor der Gerechtigkeit rangiert. Ja klar, auch so kann man es machen. Es gilt halt, abzuwägen. Folgen abzuschätzen. Die Sachen im Zusammenhang zu sehen. Wir sind vernetzt und wir wollen nicht in die Vergangenheit zurück, um uns vermeintlich groß zu machen oder aufzublasen.  

Der Lautmaler

Eine Scheibe, mit deren Inhalt ich schon wochenlang lebe, an die ich von Anfang an auch die höchsten Ansprüche stellte und die mich nicht enttäuscht hat: Dominic Millers „Absinthe“. Miller ist schon viele viele Jahre der Gitarrist von Sting und hat die Ideen des Anführers stets kongenial mit großer Inspiration umgesetzt. Neuerdings bringt er dazu auch seinen Sohn mit, der ebenfalls Gitarre spielt. Davor war er jahrelang als Studiomusiker tätig, hatte unter anderem für Phil Collins, Paul Simon, und viele andere Superstars gespielt. So hatte er unter anderem bei etwa 250 Tonträgern mitgewirkt, ehe er zur Band von Sting kam. Geboren in Argentinien als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer irischen Mutter, wuchs Miller ab dem Alter von 10 Jahren in den USA auf und ging dann in England weiter zur Schule. In der Vergangenheit hatte ich ihn immer wieder gehört und war überwältigt von seiner erzählenden Art, die auf nahezu endlosem technischem Können fußte und sich trotzdem nirgendwo mit leerem Virtuosentum aufdrängte. Er erzählte mir mit seinem Instrument die Dinge, die man auf der Gitarre erzählen kann, wobei bei ihm stets seine argentinische Vergangenheit eine wichtige Rolle zu spielen schein. Auf dem von Manfred Eicher nun produzierten ECM-Album spielt der Schlagzeuger Manu Katché mit, der Keyboarder Mark Lindup, der Bassist Nicolas Fiszman sowie Santiago Arias aus Buenos Aires am Bandoneon. Zurückhaltende, melancholische Melodien zieht Arias, genau wie Miller selbst. Es entsteht eine lautmalerische Atmosphäre, die frei über einen kommt und einen nicht mehr los lässt. Zum Beispiel auf „Saint Vincent“, dem letzten Stück des Albums, das sich nicht auf Vincent van Gogh bezieht, sondern auf den verstorbenen kamerunischen Gitarristen Vincent Nguini, der lange mit Paul Simon gespielt und aufgetreten war. Miller schwärmt von dessen großartigem Timing und versucht, dies auch ein wenig in sein Album einzubringen. Es spielt Miller hier auf der gelegentlich von der Stahlsaitengitarre ergänzten Nylongitarre, die von „Absinthe“, dem Auftaktstück bis „Saint Vincent“ durchweg das akustische Geschehen prägt. Stets scheinen die Musiker auf hohem Niveau aufeinander einzugehen, scheint lebendige Interaktion angesagt. Natürlich hat Miller, wie er bekennt, auch die großartigen Alben in Erinnerung, die Manfred Eicher zusammen mit dem großen brasilianischen Gitarristen Egberto Gismonti produziert hat. Freilich gibt Miller auf „Absinthe“ seinen Mitmusikern viel mehr Raum, scheint den Austausch zwischen den Individuen voran zu bringen. Und immer sind da diese Lautmalereien mit Santiago Arias. Sie schieben sich samten an Millers Malereien. Sie ergänzen sich. Sie malen aus. Sie deuten an. Sie wecken die Phantasie. Was gibt es besseres?

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Musikalische Einheitsware

Was ist da bloß los? Machten wir uns früher das zu eigen, was uns durch die Musik vermittelt wurde, (Wagemut, Utopie, Erkundung fremder Horizonte) so kommt uns die heutige Popmusik seltsam leblos, blutleer und mechanisch vor. Da sind viel zu viele aufgeblasene, simulierte Gefühle, die nach einer Formel abgespult erscheinen. Von einer Utopie ganz zu schweigen, von einem Ziel, das jenseits des kommerziellen Erfolgs liegen würde. Möglichst clean, risikolos und für alle Generationen genießbar soll‘s jetzt sein, - so wie in Hollywood schon lange. Eine Einheitsware, die für nichts steht, außer für das, was uns in einer Show begegnet.

 

Wie mir scheint, machen da auch die alten Säcke noch einmal gerne mit: was sie zu „verkaufen“ haben, ist Nostalgie, das Gefühl, das früher alles besser war. Eine raffinierte Lüge ist das natürlich. Ein Blödsinn. Ein Mittel zum Zwecke des Geldverdienens, was ja die heutige Generation zum Hauptzweck ihres Lebens erkoren zu haben scheint und was ja im Neoliberalismus ohnehin geheiligt erscheint. Verkauft werden einem hier die alten Gefühle, die einen an die Jugend erinnern sollen....Jeder ist seines Glückes Schmied, eine Art Solidarität unter vielen gibt es nicht, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ach ja, die Sprüche kennen wir! Seltsam, dass in den USA alles mit etwa 10 Jahren Vorlauf zu dominieren scheint. Nur, das mit der direkten Übersetzung aus den USA nach Europa klappt nicht mehr so recht. Wir erkennen allmählich als Europäer unsere eigene Identität und sind stolz darauf. Die „übrige Welt“ ist uns nicht egal: Nein, wir treten in einen Austausch, von dem wir alle profitieren können, weil er uns stimuliert und er uns Dinge aus neuen Perspektiven sehen und fühlen lässt. Wir entdecken immer mehr: Skepsis und kritisches Beharrungsvermögen mögen ihren eigenen Wert haben, unabhängig vom amerikanischen Daueroptimismus, für den wir immer weniger Anlass sehen. Alles zur rechten Zeit und in der richtigen Gewichtung, so mögen wir den Amis zuschreien, bei denen ja die Freiheit vor der Gerechtigkeit rangiert. Ja klar, auch so kann man es machen. Es gilt halt, abzuwägen. Folgen abzuschätzen. Die Sachen im Zusammenhang zu sehen. Wir sind vernetzt und wir wollen nicht in die Vergangenheit zurück, um uns vermeintlich groß zu machen oder aufzublasen.  

Was ankommt

Das kommt direkt an? Was heißt das eigentlich: etwas „kommt an“? Wieso sind die Sängerinnen/Sänger in Bands so wichtig? Fest steht: Die Stimme ist wohl das natürlichste Instrument überhaupt - und noch dazu eine ziemlich emotionale Angelegenheit. Wir merken das auch im Alltag, der zunächst nichts damit zu tun haben scheint, was auf Musik im engeren Sinne weist und doch viele Erklärungsmodelle liefert: Bei Aggression wird die Stimme lauter und schärfer, bei Angst manchmal hauchig, bei totaler Ruhe eher weich und tief. Das hängt unter anderem mit dem Atem und mit der Spannung im Körper zusammen. Doch die damit transportierte Botschaft teilt sich offenbar über Wahrnehmungskanäle mit, die uns meist gar nicht bewusst sind. Möglich muss dabei nur eine gewisse Unmittelbarkeit sein. Man muss das Gefühl haben, jemand singe etwas nur für mich....was sich dann auf ein Aufgehen in der Masse überträgt. Paradox? Dies deckt sich mit den Ergebnissen von Studien, nachdem sich bei Menschen, die zusammen Live-Musik erleben, die Gehirnwellen angleichen, - und zwar stärker, als wenn sie dieselbe Musik vom Band hören. Je synchroner die Gehirnwellen, desto mehr Spass haben die Zuhörer offenbar beim Konzert. Es kann sich dann sogar so etwas wie in gemeinsamer Rausch entwickeln, eine Euphorie und Massenhysterie, die ansteckend zu sein scheint.

Doch wie verhält sich's bei Stimmen wie der von Adriano Celentano oder Paolo Conte, die beide aus italienischer Vergangenheit markant herüber zu wehen scheinen? Wieso kommen denn die beide aus Italien? Hat das etwas zu bedeuten? Nun gut, Frank Sinatra oder Bob Dylan haben und hatten auch so eine Stimme der absoluten Wiedererkennbarkeit. Leonard Cohen hüllte sich in sein Eigenes (oder spielte das glaubwürdig...). Joni Mitchell? Vielleicht. Gemessen daraan scheinen die heutigen „Stars“ aus der Retorte zu stammen. Gerade das Individuelle scheint an ihnen verpönt. HipHop und seine Übergangsgenres etwa stützen sich auf kollektive Gültigkeit, je mehr er individuellen Figuren zuwächst. Es werden Stars geboren, die freilich ihre Einmaligkeit oft genug nicht durch ihr musikalisches Profil erlangt haben. Das, mit dem sich jeder identifizieren kann, das Massenhafte, Kollektive, scheint immer mehr populäre Qualität erlangt zu haben. Jedenfalls, was die Stimme im musikalischen Sinne anbetrifft. Etwaige Defizite werden durch Image, optische Anmutung und Charisma mehr als ausgeglichen.

 

Doch es scheint zumindest auf einem höheren Niveau darauf anzukommen, die eigene Stimme zu finden, das Typische und Individuelle an ihr. In einem Konzert freilich scheinen gewisse kollektive Mechanismen zu greifen, die so gar nichts mit einer Einmaligkeit oder Individualität zu tun haben. Ob diese Dinge auch reflektieren, dass „Stars“ ihr Geld zunehmend durch Konzerte und weniger durch Tonkonserven verdienen?

Was Popkritik sein könnte

Ich nehme immer wieder wahr, dass Pop-Kritik, überhaupt das bewusste Aufnehmen und Reflektieren von Popmusik, als Spassbremse empfunden wird. Der unmittelbare direkte Genuss, der Flash des Augenblicks werde verdorben, so der gängige Vorwurf. Genusssteigerung sei doch eigentlich angesagt, wo der Popkritiker elaboriert herummäkle. Gefühl, Erleben, Erfahrung, Körperliches sei angesagt im Gegensatz zu einem abstrakten Mäkeln.

 

Leider stützt ein gewisses Bescheid- und Besserwissen sowie eine Auswahl von Wortklaubereien und Rabulismen aller Art diese oft gehörten Ansichten. Außerdem scheint die Popkritik zu oft einer oft unverständlichen Geheimwissenschaft der Auskenner sowie einer Gemeinsamkeit der Hipster zu gleichen, die sich selbst ihre Elitarismen zugute halten und „den Anderen“ Denkfaulheit und Verharren in Klischees zugute halten. Dass Popkritik dadurch in einem gewissen Gegensatz zu dem populären Element des Pop, zu den „Popularismen“ steht, scheint mir auch zu oft stillschweigend akzeptiert und ein Mittel der sozialen Distinktion zu sein. Etwas Richtiges im Falschen aufzeigen, könnte ein honoriges Versprechen solcher Popkritik sein. Möglicherweise resultiert sie aus dem Erbe der siebziger Jahre. Mir persönlich ging es vor allem darum, Popmusik halbwegs bewusst wahrzunehmen, sich gewisser hinter ihre stehender Mechanismen bewusst zu werden. Gerade nicht im Strudel der wirtschaftlich ausgebeuteten Unmittelbarkeit unterzugehen, war mein Ziel. Sondern nachdenkliche Distanz zu wahren, Ironie und Humor walten zu lassen. Queer-Ansätze und Machttheorien waren mir zwar bekannt, schienen mir aber allzu oft übers Ziel hinaus zu schießen. Die Aufmerksamkeitsökonomie mit all ihren Folgen (Internet u.a.) scheint dies alles mittlerweile überspült zu haben. Was zählt, ist das Großevent, die Bestätigung, die Affirmation der unmittelbaren Affekte, un die Selbstfeier der Musikindustrie, die auch schon mal Teil der Kulturindustrie sein kann.  

Wo bleibt die Popmusik?

Was eigentlich ist mit der Seligsprechung des Rap und Hiphop, nachdem das, wie meist bei „subkulturellen“ Bewegungen, in die Mainstream-Kultur eingewandert ist? Manch einer mag ja die anderen Strömungen des Pop, die in grauer Vorzeit einmal etwas mit Rock zu tun hatten, längst aufgegeben haben. Es gab, wie immer, Preise bei Preisverleihungen, bei Grammys, bei vielen anderen Music Awards und auf vielerlei Arten ausgelobten Veranstaltungen der Entertainment-Industrie. Bilder von Goldkettchen, große Schlitten und Miezen mit möglichst viel Titten und Arsch? Klischees, gewiss. Aber unterfüttert mit Realität.  Kendrick Lamar wird als neue Bezugsfigur ausgerufen, weil er ja nicht so ist. Einer mit politischem Standpunkt. Ein Straßenköter. Einmal soll er sogar bei den Grammys für viel Aufsehen gesorgt haben, als er als Sträfling in einer Chain Gang (Gruppe in Ketten) auftrat, das weiße Establishment und die rassistische Musikindustrie wüst beschimpfte. Toll, nichtwahr? Wow, wir sind da ein bisschen skeptisch, weil wir solche Strategien und Verhaltensweisen ein bisschen zu kennen glauben. Jetzt ist es modern, sich als Gegner von Trump zu geben, was ja selbst in den USA nicht unbedingt als schwierig erscheint. Trump-Bashing muss unter Künstlern ja unbedingt sein. Nur kosten darf es nichts. Sehr angesagt ist es gerade unter weiblichen Künstlern (wieso eigentlich nicht auch unter männlichen...?), die „Metoo“-Bewegungen zu propagieren. So auch bei den Grammys. US-Sängerinnen wie Lady Gaga, Kelly Clarkson, Miley Cyrus und andere trugen dort offenbar weiße Rosen auf dem roten Teppich, um ihre Solidarität für die Bewegungen zu zeigen. Wie sich aber unsere unmittelbare politische Realität spiegelt? In Deutschland und ganz Europa scheint Nationalismus und Populismus im Aufwind. Es gilt die Auseinandersetzung mit einer seltsam verstaubten Idiologie, die oft weit rechts angesiedelt ist und autoritäre Strukturen predigt. Die sich statt Verständnis und Verbindung eine unerbittliche Abgrenzung und Unterscheidung in drinnen und draußen auf ihre Fahnen geschrieben hat. Dass sie dabei geschickt Argumente und Fakten aufgreift, dort, wo sie ins Weltbild passen, dass sie mit ihnen umgeht, sie einsetzt, gebraucht, verfremdet, dass sie ausgelutschte rassistische Klischees gebraucht, dass sie mit Zeichen in ihrem Sinne spielt, dass sie Feindschaften aufbaut und gebraucht, um ihr und das ihrer „Gegner“ Weltbild abzustützen, sickert immer mehr in unseren Alltag ein. Der Rassismus, der besonders hierzulande, aber auch in den USA eine endlose Geschichte hat, scheint alle emanzipatorischen Errungenschaften, derer man glaubte, sich sicher sein zu können, besonders unter Trump wieder in Frage gestellt zu haben. Auf der Weltbühne scheinen zur Seite flankierend andere Diktatoren, Despoten und Autokraten diese Entwicklungen jeweils auf ihre Art zu bestätigen und dabei sogar demokratisch bestätigt zu werden. Wow, wir fassen es nicht! Wir sind entsetzt! Wo bleibt die Popmusik? All die hochgelobten und politisch anscheinend so aktiven Aktivisten?

Der Lautmaler

Eine Scheibe, mit deren Inhalt ich schon wochenlang lebe, an die ich von Anfang an auch die höchsten Ansprüche stellte und die mich nicht enttäuscht hat: Dominic Millers „Absinthe“. Miller ist schon viele viele Jahre der Gitarrist von Sting und hat die Ideen des Anführers stets kongenial mit großer Inspiration umgesetzt. Neuerdings bringt er dazu auch seinen Sohn mit, der ebenfalls Gitarre spielt. Davor war er jahrelang als Studiomusiker tätig, hatte unter anderem für Phil Collins, Paul Simon, und viele andere Superstars gespielt. So hatte er unter anderem bei etwa 250 Tonträgern mitgewirkt, ehe er zur Band von Sting kam. Geboren in Argentinien als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer irischen Mutter, wuchs Miller ab dem Alter von 10 Jahren in den USA auf und ging dann in England weiter zur Schule. In der Vergangenheit hatte ich ihn immer wieder gehört und war überwältigt von seiner erzählenden Art, die auf nahezu endlosem technischem Können fußte und sich trotzdem nirgendwo mit leerem Virtuosentum aufdrängte. Er erzählte mir mit seinem Instrument die Dinge, die man auf der Gitarre erzählen kann, wobei bei ihm stets seine argentinische Vergangenheit eine wichtige Rolle zu spielen schein. Auf dem von Manfred Eicher nun produzierten ECM-Album spielt der Schlagzeuger Manu Katché mit, der Keyboarder Mark Lindup, der Bassist Nicolas Fiszman sowie Santiago Arias aus Buenos Aires am Bandoneon. Zurückhaltende, melancholische Melodien zieht Arias, genau wie Miller selbst. Es entsteht eine lautmalerische Atmosphäre, die frei über einen kommt und einen nicht mehr los lässt. Zum Beispiel auf „Saint Vincent“, dem letzten Stück des Albums, das sich nicht auf Vincent van Gogh bezieht, sondern auf den verstorbenen kamerunischen Gitarristen Vincent Nguini, der lange mit Paul Simon gespielt und aufgetreten war. Miller schwärmt von dessen großartigem Timing und versucht, dies auch ein wenig in sein Album einzubringen. Es spielt Miller hier auf der gelegentlich von der Stahlsaitengitarre ergänzten Nylongitarre, die von „Absinthe“, dem Auftaktstück bis „Saint Vincent“ durchweg das akustische Geschehen prägt. Stets scheinen die Musiker auf hohem Niveau aufeinander einzugehen, scheint lebendige Interaktion angesagt. Natürlich hat Miller, wie er bekennt, auch die großartigen Alben in Erinnerung, die Manfred Eicher zusammen mit dem großen brasilianischen Gitarristen Egberto Gismonti produziert hat. Freilich gibt Miller auf „Absinthe“ seinen Mitmusikern viel mehr Raum, scheint den Austausch zwischen den Individuen voran zu bringen. Und immer sind da diese Lautmalereien mit Santiago Arias. Sie schieben sich samten an Millers Malereien. Sie ergänzen sich. Sie malen aus. Sie deuten an. Sie wecken die Phantasie. Was gibt es besseres?

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Musikalische Einheitsware

Was ist da bloß los? Machten wir uns früher das zu eigen, was uns durch die Musik vermittelt wurde, (Wagemut, Utopie, Erkundung fremder Horizonte) so kommt uns die heutige Popmusik seltsam leblos, blutleer und mechanisch vor. Da sind viel zu viele aufgeblasene, simulierte Gefühle, die nach einer Formel abgespult erscheinen. Von einer Utopie ganz zu schweigen, von einem Ziel, das jenseits des kommerziellen Erfolgs liegen würde. Möglichst clean, risikolos und für alle Generationen genießbar soll‘s jetzt sein, - so wie in Hollywood schon lange. Eine Einheitsware, die für nichts steht, außer für das, was uns in einer Show begegnet.

 

Wie mir scheint, machen da auch die alten Säcke noch einmal gerne mit: was sie zu „verkaufen“ haben, ist Nostalgie, das Gefühl, das früher alles besser war. Eine raffinierte Lüge ist das natürlich. Ein Blödsinn. Ein Mittel zum Zwecke des Geldverdienens, was ja die heutige Generation zum Hauptzweck ihres Lebens erkoren zu haben scheint und was ja im Neoliberalismus ohnehin geheiligt erscheint. Verkauft werden einem hier die alten Gefühle, die einen an die Jugend erinnern sollen....Jeder ist seines Glückes Schmied, eine Art Solidarität unter vielen gibt es nicht, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ach ja, die Sprüche kennen wir! Seltsam, dass in den USA alles mit etwa 10 Jahren Vorlauf zu dominieren scheint. Nur, das mit der direkten Übersetzung aus den USA nach Europa klappt nicht mehr so recht. Wir erkennen allmählich als Europäer unsere eigene Identität und sind stolz darauf. Die „übrige Welt“ ist uns nicht egal: Nein, wir treten in einen Austausch, von dem wir alle profitieren können, weil er uns stimuliert und er uns Dinge aus neuen Perspektiven sehen und fühlen lässt. Wir entdecken immer mehr: Skepsis und kritisches Beharrungsvermögen mögen ihren eigenen Wert haben, unabhängig vom amerikanischen Daueroptimismus, für den wir immer weniger Anlass sehen. Alles zur rechten Zeit und in der richtigen Gewichtung, so mögen wir den Amis zuschreien, bei denen ja die Freiheit vor der Gerechtigkeit rangiert. Ja klar, auch so kann man es machen. Es gilt halt, abzuwägen. Folgen abzuschätzen. Die Sachen im Zusammenhang zu sehen. Wir sind vernetzt und wir wollen nicht in die Vergangenheit zurück, um uns vermeintlich groß zu machen oder aufzublasen.  

Was ankommt

Das kommt direkt an? Was heißt das eigentlich: etwas „kommt an“? Wieso sind die Sängerinnen/Sänger in Bands so wichtig? Fest steht: Die Stimme ist wohl das natürlichste Instrument überhaupt - und noch dazu eine ziemlich emotionale Angelegenheit. Wir merken das auch im Alltag, der zunächst nichts damit zu tun haben scheint, was auf Musik im engeren Sinne weist und doch viele Erklärungsmodelle liefert: Bei Aggression wird die Stimme lauter und schärfer, bei Angst manchmal hauchig, bei totaler Ruhe eher weich und tief. Das hängt unter anderem mit dem Atem und mit der Spannung im Körper zusammen. Doch die damit transportierte Botschaft teilt sich offenbar über Wahrnehmungskanäle mit, die uns meist gar nicht bewusst sind. Möglich muss dabei nur eine gewisse Unmittelbarkeit sein. Man muss das Gefühl haben, jemand singe etwas nur für mich....was sich dann auf ein Aufgehen in der Masse überträgt. Paradox? Dies deckt sich mit den Ergebnissen von Studien, nachdem sich bei Menschen, die zusammen Live-Musik erleben, die Gehirnwellen angleichen, - und zwar stärker, als wenn sie dieselbe Musik vom Band hören. Je synchroner die Gehirnwellen, desto mehr Spass haben die Zuhörer offenbar beim Konzert. Es kann sich dann sogar so etwas wie in gemeinsamer Rausch entwickeln, eine Euphorie und Massenhysterie, die ansteckend zu sein scheint.

Doch wie verhält sich's bei Stimmen wie der von Adriano Celentano oder Paolo Conte, die beide aus italienischer Vergangenheit markant herüber zu wehen scheinen? Wieso kommen denn die beide aus Italien? Hat das etwas zu bedeuten? Nun gut, Frank Sinatra oder Bob Dylan haben und hatten auch so eine Stimme der absoluten Wiedererkennbarkeit. Leonard Cohen hüllte sich in sein Eigenes (oder spielte das glaubwürdig...). Joni Mitchell? Vielleicht. Gemessen daraan scheinen die heutigen „Stars“ aus der Retorte zu stammen. Gerade das Individuelle scheint an ihnen verpönt. HipHop und seine Übergangsgenres etwa stützen sich auf kollektive Gültigkeit, je mehr er individuellen Figuren zuwächst. Es werden Stars geboren, die freilich ihre Einmaligkeit oft genug nicht durch ihr musikalisches Profil erlangt haben. Das, mit dem sich jeder identifizieren kann, das Massenhafte, Kollektive, scheint immer mehr populäre Qualität erlangt zu haben. Jedenfalls, was die Stimme im musikalischen Sinne anbetrifft. Etwaige Defizite werden durch Image, optische Anmutung und Charisma mehr als ausgeglichen.

 

Doch es scheint zumindest auf einem höheren Niveau darauf anzukommen, die eigene Stimme zu finden, das Typische und Individuelle an ihr. In einem Konzert freilich scheinen gewisse kollektive Mechanismen zu greifen, die so gar nichts mit einer Einmaligkeit oder Individualität zu tun haben. Ob diese Dinge auch reflektieren, dass „Stars“ ihr Geld zunehmend durch Konzerte und weniger durch Tonkonserven verdienen?

Was Popkritik sein könnte

Ich nehme immer wieder wahr, dass Pop-Kritik, überhaupt das bewusste Aufnehmen und Reflektieren von Popmusik, als Spassbremse empfunden wird. Der unmittelbare direkte Genuss, der Flash des Augenblicks werde verdorben, so der gängige Vorwurf. Genusssteigerung sei doch eigentlich angesagt, wo der Popkritiker elaboriert herummäkle. Gefühl, Erleben, Erfahrung, Körperliches sei angesagt im Gegensatz zu einem abstrakten Mäkeln.

 

Leider stützt ein gewisses Bescheid- und Besserwissen sowie eine Auswahl von Wortklaubereien und Rabulismen aller Art diese oft gehörten Ansichten. Außerdem scheint die Popkritik zu oft einer oft unverständlichen Geheimwissenschaft der Auskenner sowie einer Gemeinsamkeit der Hipster zu gleichen, die sich selbst ihre Elitarismen zugute halten und „den Anderen“ Denkfaulheit und Verharren in Klischees zugute halten. Dass Popkritik dadurch in einem gewissen Gegensatz zu dem populären Element des Pop, zu den „Popularismen“ steht, scheint mir auch zu oft stillschweigend akzeptiert und ein Mittel der sozialen Distinktion zu sein. Etwas Richtiges im Falschen aufzeigen, könnte ein honoriges Versprechen solcher Popkritik sein. Möglicherweise resultiert sie aus dem Erbe der siebziger Jahre. Mir persönlich ging es vor allem darum, Popmusik halbwegs bewusst wahrzunehmen, sich gewisser hinter ihre stehender Mechanismen bewusst zu werden. Gerade nicht im Strudel der wirtschaftlich ausgebeuteten Unmittelbarkeit unterzugehen, war mein Ziel. Sondern nachdenkliche Distanz zu wahren, Ironie und Humor walten zu lassen. Queer-Ansätze und Machttheorien waren mir zwar bekannt, schienen mir aber allzu oft übers Ziel hinaus zu schießen. Die Aufmerksamkeitsökonomie mit all ihren Folgen (Internet u.a.) scheint dies alles mittlerweile überspült zu haben. Was zählt, ist das Großevent, die Bestätigung, die Affirmation der unmittelbaren Affekte, un die Selbstfeier der Musikindustrie, die auch schon mal Teil der Kulturindustrie sein kann.  

Wo bleibt die Popmusik?

Was eigentlich ist mit der Seligsprechung des Rap und Hiphop, nachdem das, wie meist bei „subkulturellen“ Bewegungen, in die Mainstream-Kultur eingewandert ist? Manch einer mag ja die anderen Strömungen des Pop, die in grauer Vorzeit einmal etwas mit Rock zu tun hatten, längst aufgegeben haben. Es gab, wie immer, Preise bei Preisverleihungen, bei Grammys, bei vielen anderen Music Awards und auf vielerlei Arten ausgelobten Veranstaltungen der Entertainment-Industrie. Bilder von Goldkettchen, große Schlitten und Miezen mit möglichst viel Titten und Arsch? Klischees, gewiss. Aber unterfüttert mit Realität.  Kendrick Lamar wird als neue Bezugsfigur ausgerufen, weil er ja nicht so ist. Einer mit politischem Standpunkt. Ein Straßenköter. Einmal soll er sogar bei den Grammys für viel Aufsehen gesorgt haben, als er als Sträfling in einer Chain Gang (Gruppe in Ketten) auftrat, das weiße Establishment und die rassistische Musikindustrie wüst beschimpfte. Toll, nichtwahr? Wow, wir sind da ein bisschen skeptisch, weil wir solche Strategien und Verhaltensweisen ein bisschen zu kennen glauben. Jetzt ist es modern, sich als Gegner von Trump zu geben, was ja selbst in den USA nicht unbedingt als schwierig erscheint. Trump-Bashing muss unter Künstlern ja unbedingt sein. Nur kosten darf es nichts. Sehr angesagt ist es gerade unter weiblichen Künstlern (wieso eigentlich nicht auch unter männlichen...?), die „Metoo“-Bewegungen zu propagieren. So auch bei den Grammys. US-Sängerinnen wie Lady Gaga, Kelly Clarkson, Miley Cyrus und andere trugen dort offenbar weiße Rosen auf dem roten Teppich, um ihre Solidarität für die Bewegungen zu zeigen. Wie sich aber unsere unmittelbare politische Realität spiegelt? In Deutschland und ganz Europa scheint Nationalismus und Populismus im Aufwind. Es gilt die Auseinandersetzung mit einer seltsam verstaubten Idiologie, die oft weit rechts angesiedelt ist und autoritäre Strukturen predigt. Die sich statt Verständnis und Verbindung eine unerbittliche Abgrenzung und Unterscheidung in drinnen und draußen auf ihre Fahnen geschrieben hat. Dass sie dabei geschickt Argumente und Fakten aufgreift, dort, wo sie ins Weltbild passen, dass sie mit ihnen umgeht, sie einsetzt, gebraucht, verfremdet, dass sie ausgelutschte rassistische Klischees gebraucht, dass sie mit Zeichen in ihrem Sinne spielt, dass sie Feindschaften aufbaut und gebraucht, um ihr und das ihrer „Gegner“ Weltbild abzustützen, sickert immer mehr in unseren Alltag ein. Der Rassismus, der besonders hierzulande, aber auch in den USA eine endlose Geschichte hat, scheint alle emanzipatorischen Errungenschaften, derer man glaubte, sich sicher sein zu können, besonders unter Trump wieder in Frage gestellt zu haben. Auf der Weltbühne scheinen zur Seite flankierend andere Diktatoren, Despoten und Autokraten diese Entwicklungen jeweils auf ihre Art zu bestätigen und dabei sogar demokratisch bestätigt zu werden. Wow, wir fassen es nicht! Wir sind entsetzt! Wo bleibt die Popmusik? All die hochgelobten und politisch anscheinend so aktiven Aktivisten?