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Meditative Musik und Verkäuflichkeit

Natürlich schleppt der moderne Mensch eine Art „spirituelles“ oder „religiöses“ Anliegen mit sich herum, das er auch gerne mal auf die Musik projeziert. Musik soll ja das sein, was man nicht anders sagen kann…..sagen bedeutende Geister. Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, - behauptete auch Nietzsche. Die ausschließliche Jagd nach Geld scheint jedenfalls den modernen Menschen nicht ausfüllen zu können. Der Markt der spirituellen Bewusstseinswaren wird also diesem Bedürfnis nachgehend immer größer. Der neueste Trend scheint spirituelle Erleuchtung per Internet zu sein. Hier einen Kurs zu buchen (mit meditativer Musik als unterspülender „Leichtmacher“), sich eines Coachings zu unterziehen oder sich per Skype unterweisen zu lassen, kann offenbar viel Kohle bringen (da springt auch etwas für den unbekannten Meister (oder die Meisterin?) heraus, der die Musik liefert). Es scheint jedenfalls darum zu gehen, sich selbst als Medium darzustellen, das offen ist für allerlei spirituelle Erfahrung. „Inspiration“ liefern, Menschen einen Kick in Richtung anderer Bewusstseinsebenen zu geben, das kann neben der guten alten Guru-Funktion, die Menschen zur Orientierung zu brauchen scheinen, ein gutes Geschäft sein. In der Rockmusik machten das schon früh unter anderem John McLaughlin und Carlos Santana klar. Gerade Santana scheint inzwischen abgekippt zu sein in die breite und völlig unspirituelle US-Popmusik. Von Spirituellem ist bei ihm offenbar nur noch in seinen Verkaufssprüchen und seinem Auftreten die Rede.

 

Sensibel scheinen „Medien“ oft dadurch geworden zu sein, indem sie selbst trainiert oder „gecoacht“ wurden und sich allerlei Unterweisungen unterzogen. So machen Jünger ihre Jünger selbst, vervielfältigen ihre Ansichten, indem sie ein Bedürfnis ihrer Mitmenschen befriedigen. Es gilt für alle, „Wege in die Spiritualität“ zu weisen. Kam es Leuten wie mir immer so vor, als sei dies etwas höchst Individuelles sein, so scheint es den „Seelentröstern“ des Internet darum zu gehen, ihre Aussagen möglichst so breit multiplizieren zu können, sie so sehr zu einem gut verkäuflichen Artikel des Seelenlebens zu machen, dass das Ergebnis manchmal etwas unpersönlich und austauschbar erscheint. Manchmal winken dabei Karrieren, die Erstaunen auslösen, CDs aufnehmen und absetzen, Bücher schreiben und verkaufen, daraus Hörbücher erstellen, etwas im Hörer auslösen, vor allem etwas Kollektives bei Massenveranstaltungen wie etwa Konzerten, den großen Beeinflusser, Wegweiser und Vorausgeher mit dem ganzen Instrumentarium der Suggestion zu geben, das gehört eigentlich zum Rüstzeug eines jeden „spirituellen“ Bewusstseinsarbeiters, früher und heute. Für Skepsis oder Kritik bleibt da wenig Raum, es gilt vielmehr das widerspruchsfreie „ergriffen“ sein auslösen und verstärken und mitmachen in einem kollektiven Taumel, dem gerne ein quasi meditativen Anstrich gegeben wird, in dem der Eindruck vermittelt wird, man sei mit dem verbunden, was den Menschen so recht eigentlich ausmacht. „Positives Denken“ ist einer der Inhalte, die in diesem Zusammenhang immer wieder gepredigt werden. Spiritualität online verfügbar machen, das würde den zeitgeistigen Schritt in eine massenhafte Verwertbarkeit aufzeigen und sie in größer Breite zu teilen. Selbsthilfe im Netz vermag Millionenumsätze generieren. Besser noch, das Angebot ist garniert mit entspannender Musik. Der Welt etwas von einer anderen Wirklichkeit erzählen, mag nicht nur einen Drang zur massenhaften Verbreitung, sondern auch zu einer maximalen Verkäuflichkeit erzeugen. Ziel: Das sollen alle wissen! (und dafür zahlen). Dass dadurch allerlei Oberflächlichkeiten Tür und Tor geöffnet sind, mag geradezu folgerichtig erscheinen....Wow!