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Lanois Träume

Was ich gerade höre:

Ich gehe an meinen CDs entlang und erinnere mich an die Musik von Daniel Lanois. In meinem CD-Regal sind seine Alben links oben. Der ist als Produzentenmagier bekannt, der möglichst den Augenblick für sich nutzen will, den kreativen Moment, da alle in einem Studio in dieselbe Richtung werkeln und eine Art magischer Stimmung entsteht. Dabei soll er auch für Bob Dylan, Peter Gabriel, U2, Neil Young und Emmylou Harris gearbeitet haben: große Namen, fürwahr. Die Sachen für Dylan kenne ich sogar gut, „Joshua Tree“ von U“ ist mir auch geläufig. Ein erfolgreicher Mann, der..... Er trat aber für meine Begriffe durchaus eindringlicher als Musiker in Erscheinung. Meine zuerst heraus gegriffene Scheibe (neben anderen...) heißt „Shine“ und ich höre sie immer erst ab Titel 6: „Transmitter“. Danach lasse ich durchlaufen. Es ist eine unaufdringlich indirekte Weihnachtsscheibe. Kein Gesülze. Kein Schmierstoff. Ich tendiere in dieser jetzigen Zeit dazu, mich herunterzufahren, mich zu „entschleunigen“, einfach nur zuzuhören, mich treiben zu lassen in meiner Stimmung.

Dies hier ist sehr eindringlich und gleichzeitig leicht. Ich höre diesen gehaucht intensiven Gesang, der mehr ein Zwiegespräch mit mir zu sein scheint. Ich lasse ihn an mich heran, weil er halt gerade nicht aufdringlich ist. Er hallt durch den weiten Raum, der auch mit der für Lanois typischen Pedal Steel Gitarre ausgemalt wird. Wie mag ich seine Steel-Gitarren-Schlieren! Keine Ahnung, ob das schwierig oder einfach ist. Es wirkt auf mich aber, langweilt mich in keiner Sekunde! Dieser Lanois hatte prägnante Songeinfälle, bei denen etwas hängen blieb. Das war nicht abhängig von diesen oft beschworenen Hooklines, sondern hatte etwas mit Stimmung und Phantasie zu tun. Da sind tatsächlich Momente, die sich einprägen, von denen du zehrst, durch die so etwas wie das „Geheimnis“ durchschimmert. Wann geht einem so etwas „unter die Haut“? Ob das auch etwas mit Geschmack zu tun hat? Ob jemand dick aufträgt oder etwas - wie in diesem Falle - eher indirekt und bescheiden unaufdringlich wirken lässt? Auch lässig und elegant? Unangestrengt. Ob jemand überwältigen und überrennen will, Routinen aufblähen, vorzeigen, imponieren, von sich selbst eingenommen - oder ob sich jemand zusammen mit mir eher der Intensität in der Entspannung hingeben will? Der Hingabe? Dem „Feuer darunter“? Ich schau: die Scheibe ist von 2003. Der Mann hat sich Zeit gelassen. Sein Konto ist von den attraktiven Produzentenaufträgen sicher gut gefüllt. Da hat und hatte er keinen Druck. Aber er stand auch für etwas, hat sich das verdient. Das Album ist Balsam für meine Seele, streichelt sie.

Ich hole „For the Beauty of Wynona“ (1993) heraus. Am Anfang ein bisschen Gitarrengequengel, dann seine typische Stimme. Was ist das, worin besteht das Typische? Dass dich so etwas zum Wiedererkennen reizt? Dieser und die folgenden Songs sind aber nicht wirklich eindringlich für mich. Das Album war trotz des schönen Covers ein Fehlkauf für mich. Ich habe wohl damals etwas darin gesucht, was ich jetzt wieder suche. Ich war gefangen von einer Vorstellung. Dieses Süßholzgeraspel langweilt mich. Ich erinnere mich, dass ein Album von ihm „Arcadie“ (nach der ostkanadischen Provinz) hieß und dass er darauf sich der Cajun-Musik widmete, frankophon, französischsprachig  - das war das Besondere, das nur aus dem amerikanischen Bürgerkrieg heraus richtig zu verstehen ist. Arkadien war für die Franzosen aus Ostkanada das Ziel in Louisana, - ob sie vertrieben wurden? Jedenfalls ging es zwischen den Briten und Franzosen hin und her. Es ist eine uralte US-amerikanische Volksmusik, deren Kultur sich auch bis heute erhalten hat (Oder das, was die USA daraus gemacht haben..., etwa einen „Cajun-Burger“). Ich mochte Cajun schon immer, unter anderem hatte sie mir JJ Cale mit seinem Titel „Cajun Moon“ 1974 beigebracht („Cajun Moon“, where does your power lie..., as you move across the southern Skie....“)“. Auch so ein Meister des Understatement.

 Haha, die Cajun-Küche hatte mir in den USA mit ihrem opulenten Gebrauch von scharfen Gewürzen immer sehr gemundet. Ich ziehe „Belladonna“ (2003) heraus. Alleine schon die Pflanzenbezeichnung strahlte für mich etwas aus. Belladonna ist Tollkirsche. Ein Gift, das im richtigen Maß angewandt, segensreich auf den Kreislauf wirken kann. Im richtigen Maß! Das Album? Toll, diese Tollkirsche! Schon der erste Titel „Two Worlds“ fängt mich ein. Pedal Steel-Phantastereien. Instrumental. Getragenes Tempo. Dann „Sketsches“: toll! Immer weiter, das soll nie aufhören! Pedal Steel ohne Country-Sentimentalitäten. Die einzige Scheibe in diesem Stil, die ich habe.... Wunderbar! Schwelgereien, in die er auch die Akustikgitarre und die Rhythmusgruppe mit einbezieht.... Ich werde euphorisch.....Ich mag natürlich auch Brian Blade, der ihn nicht nur auf diesem Album begleitet. Ein großartiger Drummer, der bis in die jüngste Vergangenheit hinein unter anderem bei Herbie Hancock zu hören war. Ein Erzähler im Beat, wie einst Jack DeJohnette.... Den wunderbaren Bassisten Daryl Johnson hörte ich erstmals bei den Neville Brothers, später öfter im Umfeld von Daniel Lanois, etwa mit Emmylou Harris. Brad Mehldau ist auch dabei und noch andere.... Genau das habe ich gesucht. Ich bleibe bei diesem Album, höre es immer wieder. Habe noch weitere Alben von Lanois.... Die spare ich mir, brauche kein E-Gitarrengequengel. Nur immer dies. Und noch einmal........... 

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