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Yesterday

Beim Durchsehen und Sortieren alter Unterlagen, wurde mir bewusst, welch gewaltigen Anspruch manche Bands und Künstler damals formulierten und wo sie aus heutiger Sicht gelandet sind: Bei völlig gesichtslosen „Projekten“, die den einen oder anderen Kreuzer Honorar versprechen. Dafür ist man gezwungenermaßen bereit, „alles zu machen“. Die Nische finden, so lautet ein heutiges Gebot. Es kommt mir so vor, als sei die „Konzertszene“ einst sehr viel vielgestaltiger gewesen und habe auch etliche Überraschungen und Schattierungen geboten, das allzu Vorhersehbare war jedenfalls das, was mutmaßlich zu vermeiden war. Ich habe einen Label-Flyer in der Hand, der behauptet „Für uns sind Trends kein Thema – unser Musikangebot liegt sowieso im Trend – also erübrigt sich eine Diskussion darüber!“ Es ging also nicht unwesentlich darum, an herrschenden Trends irgendwie vorbei zu kommen, was den heutigen Trends geradezu diametral widerspricht. Mir scheint heute zu oft, als ginge es im Wesentlichen darum, jeden Trend irgendwie aufzunehmen und ihn einer nicht allzu geneigten Zuhörerschaft möglichst rückstands- ecken- und kantenlos zuzuführen sie so zu überwältigen, wie das die Werbung verspricht. Anpassung an Trends des Erfolgs ist auf diesem Weg schon der halbe Erfolg. Ich erfahre von gebührenpflichtigen Workshops, die Musiker genau das antrainieren: das mehr oder weniger subtile Aufnehmen von Trends, das „Richtig machen“ (vor allem technischer Probleme!), das „im Flow sein“, vorgeformten Hörgewohnheiten möglichst smart mit einem Hauch Individualität (aber nicht mehr!) zu entsprechen. „Musikalischer und kreativer Qualität“ habe man sich verschrieben, so die Info weiter, - man wolle „ausgewählte Qualität“ produzieren, „ohne elitäres Gehabe“.