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Verwertungslogik

Ob das in einer gewissen Verwertungslogik steckt, dass Künstler, die einen Vertrag bei Plattenfirmen der Medienindustrie haben oder unter der eigenen Marke veröffentlichen, nach einer gewissen Zeit immer wieder „neue“ Alben „herausbringen“ müssen? Künstlerische Leistung abliefern? Ob sich beim „Verbraucher“ da eine gewisse Gewohnheit heraus bildet, auf die die Industrie zielt?: stets auf dem neuesten Stand sein zu wollen und dafür sich das neueste Album des jeweiligen Künstlers zu kaufen? Auch weil man gemeinsam älter geworden ist? Weil man den ja für alle Zeiten alte Zeiten gut findet? „Früher war alles besser“? Das Kaufen, ja das ist wichtig! Ob Künstlern da neue Sachen eingefallen sind, ob Weiterentwicklungen stattgefunden haben: egal. Hauptsache, was Neues, das „auf den Markt“ geworfen werden kann. So bilden sich beim „Konsumenten“ ganze Stapel voller Tonträger, die unübersichtlich groß werden können und von denen dieser „Konsument“ gar nicht mehr weiß, wieso er sie gekauft hat. Denn Maßstäbe, Hörerfahrungen, Bedürfnisse und Sensibilitäten entwickeln sich weiter. Was mir gestern gefallen hat, muss das nicht heute wieder tun. Vielleicht bin ich sogar richtiggehend entsetzt über meinen gestrigen Geschmack. Klar, die vielen TV-Sendungen, die tief in Nostalgie verwurzelt jetzt die Musikwelt von gestern beschwören, scheinen dem gegenzusteuern. Motto: Erinnern ist schön, verschafft ein wohliges Gefühl. Trotzdem staunen wir manchmal, was „die Leute“ in vergangenen Dekaden angesprochen hat. Was für oberflächlicher Stumpfsinn! Es ist ja nicht im Ernst so, dass gestern alles besser gewesen wäre. Es ist vielmehr so, dass sich bestimmte Zielgruppen dort, in ihrer Jugend, verwurzelt und geprägt sehen, dass alleine das Hören gewisser akustischer Signale bei ihnen Empfindungen/Emotionen auslöst, die eindeutig positiv besetzt sind.