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Auf der Suche nach dem Original

Über einen wichtigen der von mir bewunderten Gitarristen, mit dem ich sogar einmal ein Interview hatte führen dürfen, hatte ich schon im Jahr 2005 geschrieben: „Richard Thompson, gut, dass es so einen gibt. Einen, der eine mehr als 50jährige Musikerkarriere vorweisen kann, der mit seiner ehemaligen Band Fairport Convention dem britischen Folkrock die wichtigsten Impulse gegeben hat und in seiner Entwicklung trotzdem nie stehen geblieben ist. Einer, der als Gitarrist wie als Sänger jeden seiner Töne neu zu erfinden scheint, der um sie ringt und trotzdem nie angestrengt oder bemüht klingt. Ein Songpoet, der nicht nur eitel um den eigenen Nabel kreist, sondern im Reflektieren der Welt sich selbst (er)findet. Ein Sucher und ein Finder. Schluss mit den Lobhudeleien. Richard Thompson ist ein Original. Basta.

Thompson hatte für mich im Laufe der Jahre immer mehr all das verkörpert, was ich von einem Rockgitarristen erwartete: Ein großes und durch manchmal auch spröde Phantasie gestütztes Talent fürs Songschreiben, dadurch eine Gestimmtheit erzeugen,  mit einem wunderbaren Gespür für Songdramatik, für Instrumentierung und Arrangement, für die Effekte von Spannung und Entspannung, in seinem brillanten Gitarrespiel kein eitles Vorzeigen von auswendig gelernten Phrasen, mit denen man schnell beeindrucken konnte, sondern den Kampf um den Ton, das manchmal dünne Vortasten zu einem Solo, in das man mehr geschoben wurde, als das man es angestrebt hatte. In den USA soll er damit viel Erfolg gehabt haben. Ausgerechnet in Europa, auf dessen musikalischen Traditionen er aufbaute, deutlich weniger. Dies mag auch einer der Gründe gewesen sein, wieso er in mehr als 30 Jahren nur ein einziges Mal in Stuttgart gespielt hat. Mein Pech. Als ich mit ihm sprach, war er ein höflicher Gentleman, der sein Licht niemals unter den Scheffel stellte, sondern den eine gewisse Bescheidenheit und Souveränität auszeichnete, - was ihn mir auch als Mensch noch sympathischer machte.