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Trompetenflieger

Aus mehr als 10 Alben dieses Künstlers kann ich greifen und merke, wie oft und wie ritualisiert ich seine Musik aufnehme, die oft unter den Etiketten „Fusion“, "Ambient", "Trance", "Electro" oder „Avantgarde“ eingeordnet wurde und doch in keine Schubladen passt. An vielen Morgen ist sie das erste, was ich höre und was ich immer wieder neu genieße. Ein Bekannter empfahl mir einst den Trompeter Nils Petter Molvaer. Ich solle mir den mal anhören. Der passe zu mir. Der Norweger wollte sich nach einer etwa 2 Jahre währenden Ausbildung an der Musikakademie alleine, ohne akademische Weihen, ins Freie der Musik wagen. Hierzulande war er sodann mit seiner Band oft live zu hören. Nichtsdestotrotz besorgte ich mir erst mal seine Alben „Khmer“ und „Solid Ether“. Von Anfang an war ich begeistert von ihm, seines Konzeptes, seines Sounds, seiner Arrangements und seines Tones, der damals oft mit dem von Miles Davis verglichen wurde. Mit Verlaub, ich liebe Miles Davis, aber Molvaer scheint mir im Flow der Zeit weiter gekommen: Er scheint die Elektronik in seinen Sound aufgenommen zu habe. Er bläst wunderbare Phrasen, die manchmal aber kunstvoll abstürzen in Klangfetzen und Andeutungen, mit denen man in fragende Weiten plumpsen kann, rätselhaft unaufgelöst, in geheimnisvollen Linien, die mir gut tun, die mich stärken, die mich im Klang baden lassen. Die zwischendurch aber auch in einen geraden Vier-Viertel-Takt übergehen können. Immer wieder flicht er seltsame musikalische akustische Ereignisse ein, flirrendes und verzerrtes Zeugs auch, arbeitet mit Brechungen und Andeutungen, die immer wieder auf elegische und strahlend schwebende Passagen seiner Trompete zuführen. Gefällt mir dies oder jenes? Ich komme immer wieder dazu, zu meinen, dass mir an ihm alles gefällt: Sein Gefühl, sein Ausdruck, das, was er in seinem Spiel eingeschlossen hat und was seine Bands aufzunehmen oder wiederzugeben imstande sind. Bei mir kommt das als reine Klangpoesie an, als geformte Phantasie, die in Leuten wie mir ein Gefühl von Stärke hervor kitzeln können. Ob ich demnächst mal "Buoyancy“ bespreche, dieses 2016 erschienene Album, das nach etlichen Umbesetzungen in Molvaers Band für mich so viel Magie ausstrahlte?