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Musikprodukt

Habe etwas von einem bisher unveröffentlichen Text darin verarbeitet:

Natürlich, da ist der Einfluss starker Persönlichkeiten auf Musikercliquen, auf local scenes, da sind die Strategien des gegenseitigen Abschauens, Lernens und Kopierens. Schnell können sich Formeln und Routinen bilden, die zu diesem Zeitpunkt an keinem anderen Ort hätten entstehen können und sich später dann doch an jedem anderen Ort reproduzieren lassen. Aber ist da auch das Publikum, das sich nach spezifischen Geschmackskriterien und einem Rezeptionsverhalten bilden würde? Das Publikum bildet sich durch die Medien. 

Mittlerweile hat sich das radikal gewandelt, alles in der Popmusik ist in meinen Augen ortlos, anonym und global geworden. Das, was war, war die alte, analoge Welt. Heute funktioniert das auf digitale Weise. Spezialisten spielen sich heute per Internet die Files zu, von irgendeinem Ort der Welt aus, egal wo. Sie bilden vielköpfige Stäbe, die hierarchisch organisiert wiederum den Produzenten zuarbeiten. Gebündelt wird das ganze dann unter einer Marke, meist US-amerikanischer Herkunft. Der Star. Der Superstar. Der Megastar. Die Band als soziales Modell scheint ausgedient zu haben, überhaupt scheint der soziale Austausch an Bedeutung verloren zu haben. Was zählt, ist der US-amerikanisch dominierte Erfolg, wie er etwa an den Posen und dem Auftreten eines US-Präsidenten abzulesen ist. Die Wertschöpfungskette soll schließlich dem „America first“ gehorchen, was alleine schon eine gewaltige Anmaßung ist, denn „America“ ist der Name des gesamten Kontinents, der in seinem Süden auch Länder wie Brasilien oder Argentinien umfasst. Was aber gilt, ist wirtschaftliche Power. Die Reichen sind die Mächtigen im Staate, - nie waren die Mächtigen der USA darin schamloser als jetzt gerade.“