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Pop im Fluß, Strom

Wenn ich mir gewisse Sachen aus meiner CD-Sammlung anhöre, so muss ich mir konstatieren, dass sie eine gewisse depressive Stimmung ausdrücken, die nicht gerade Mut macht, die „runter zieht“. Das war früher auch so, hat aber niemanden gestört. Es war ein natürlicher Raum, in dem Experimente in jede Richtung grundsätzlich möglich waren. Auch in die scheinbar depressive Richtung. Man gestand sich ein, dass (ob richtig oder falsch, sei dahingestellt) angesichts des Zustands der Welt sich einem eine solche Haltung aufdrängte. Kann es sein, dass die Folien, die Wirklichkeit abbilden, seitdem auseinander driften, dass Unterhaltungen zunehmend eine gewisse Funktion übernommen hat, die da lautet „Unterhalten, ablenken, betäuben, Power pumpen, hinnehmen, optimieren“? Es werden Haltungen vorgeführt, scheinbar als Beglaubigung, - wiewohl sie allzuoft trotz aller übertrieben Gesten (die ja oft nur Posen sind...) nur Zitat sind. Gewiss, es hat auch positive Veränderungen gegeben, die allerdings in den Medien kaum reportiert werden. Ob sie aber einen Trend widerspiegeln? 5 % der Weltbevölkerung sollen jetzt (so las ich…) mehr als 50 % der Welt besitzen. Ich las jetzt auch, dass Scott Walker gestorben sei. Eine kleine Notiz auf der Feuilleton-Seite. Der Mann mit dem Samtbariton und den Klangexperimenten, der sich im Laufe der Zeit immer mehr gelöst hatte vom populären Schönklang der Songs der Walker Brothers, die vor vielen Jahren damit "Erfolg hatten".  Solche Leute passen heute nicht mehr in diese Landschaft. Er ist wohl rechtzeitig gegangen. Er ging dem Unmöglichen nach, dem Experimentellen, dem, das nicht durch Gewohnheiten abgesichert war, dem, das neu war. Er ließ seinen Möglichkeitssinn spielen. Er landete oft im Düsteren und Ungewissen.